STADTMENSCHEN  : Lesen über Lesepaten

Foto: Mike Wolff
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„Was tut der Senat in dieser Angelegenheit?“ Diese Frage stellte ein Berliner Abgeordneter, nachdem im Landesparlament über Schülerkonflikte auf dem Schulhof berichtet worden war. Sybille Volkholz, die ehemalige Senatorin für Schule, Sport und Berufsbildung, schildert diese Begebenheit als Beleg für den reflexhaften Ruf nach der Politik in ihrer Vorbemerkung zu einem Buch, das im Verein Berliner Kaufleute und Industrieller, VBKI, in der Fasanenstraße vorgestellt wurde. Unter dem Titel „Lesepaten in Berlin“ beschreibt die Autorin die wohl umfassendste Initiative bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt und gibt für andere Kommunen und Institutionen Anregungen zum Nachmachen. Seit 2006 betreut und gesponsert vom VBKI, gehen jede Woche 1900 Lesepatinnen und Lesepaten ehrenamtlich in 180 Schulen und 90 Kindertagesstätten in sozial schwieriger Lage und lesen und lernen mit den Kindern. Volkholz, die für den VBKI das Projekt leitet, hatte bei einer Studienreise durch Kanada im Jahre 2004 mit Erstaunen die hohe Zahl von Freiwilligen in jeder Schule registriert und sich gefragt, ob nicht auch in Deutschland so ein zivilgesellschaftliches Engagement in den Schulen anzustreben sei.

Die langjährige Ausländerbeauftragte des Senates, Barbara John, rühmte bei der Vorstellung des Buches, dass die Obrigkeitsgläubigkeit ab- und der Gemeinsinn dafür zunehme. Die Initiative der Lesepaten könne der Beginn einer ganz anderen Schul- und Bildungsreform sein, deren Bedeutung noch gar nicht so recht wahrgenommen würde. Heide Böhmer, Leiterin der Regenbogen-Grundschule, Jens Großpietsch, Schulleiter der Heinrich-von-Stephan-Grundschule, und Juliane Klinkicht von der INA-Kita in der Neuen Steinmetzstraße berichteten über ihre Erfahrungen mit den Lesepaten, die nicht nur Englischkurse durchführten und beim Mittleren Schulabschluss, dem MSA, helfen, sondern wichtige Bezugspersonen für Kinder geworden seien, denen sonst nie etwas vorgelesen würde. VBKI-Präsident Klaus von der Heyde und Geschäftsführer Udo Marin freuten sich übers Lob. apz

Lesepaten, Waxmann-Verlag, 14,90 Euro

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