Berlin : Stadtmenschen: Luise, wieder ganz lebendig

ded

Der Schriftsteller Friedrich C. Delius ist bekannt dafür, dass er Stoffe der Realität in die Fiktion überführt. In seinem neuen Werk "Der Königsmacher" sind es die für dröge geglaubten Preußen, der Prinz von Oranien, und die glühend verehrte Königin Luise, die er romanhaft versinnlicht, Marmorstatuen inklusive. Mit Anna Thalbach, mit der er im Wechsel liest, gelingt diese Versinnlichung ganz enorm. Wie sie da haucht und heitert am Mittwochabend unterm Stuck im Schloss Chalottenburg. Schon der Umschlag des Buches zeigt einen Ausschnitt der Luise. Oder anders: er zeigt den Ausschnitt. Der Griff zum Buch wird damit zum Griff ins Dekolleté der Königin.

Und während wir die Käsehäppchen essen, wissen wir, wie die arme Luise dahinten im Garten hinter dem Schloss in ihrem Mausoleum liegen muss: feucht und kühl und marmorn nämlich, wie zu einem Mittagsschlaf ausgestreckt und in einem verdammt luftigen Marmorkleid. Delius hat es gerade vorgelesen.

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