STADTMENSCHEN : Mit Küsschen

Der Bundespräsident tanzte beim Presseball nicht nur.

Oh Happy Day! Bundespräsident Gauck hatte seinen Spaß. Foto: dapd
Oh Happy Day! Bundespräsident Gauck hatte seinen Spaß. Foto: dapdFoto: dapd

Wenn er über die Freiheit redet, kommt der von den Grünen mitgewählte Bundespräsident Joachim Gauck auch bei Konservativen so gut an, dass man darüber ganz vergessen könnte, wessen Kandidat er eigentlich war. Ausgerechnet bei seinem ersten offiziellen Auftritt beim Bundespresseball bewies er in der Nacht zu Sonnabend, dass er auch das Spontifach bestens beherrscht. Der Auftritt der charismatischen Queen Esther Marrow mit den Harlem Gospel Singers begeisterte den langjährigen Pfarrer so sehr, dass er sich mit Lebenspartnerin Daniela Schadt direkt vor der Bühne Arm in Arm im Takt bewegte. Als bei der Zugabe „Oh Happy Day“ der Saal schon rockte, stimmten die beiden in den Refrain im großen Publikumschor mit ein. Dann verabschiedete sich die Gospelkönigin auf gut amerikanische Art: „Gott segne Sie“, rief sie in den Saal. „Und Sie auch, Mr. President.“ Da hielt es Gauck nicht mehr unten auf dem Parkett. Rasch stürmte er auf die Bühne und bedankte sich erst mit einem galanten Handkuss, dann mit Wangenküsschen rechts und links. Das sah fast aus, wie der Beginn einer wunderbaren Freundschaft von Gleichgesinnten. Wie Gauck war auch Queen Esther Marrow einst Teil einer Bürgerrechtsbewegung. Auch Daniela Schadt wirkte unter so vielen alten Kollegen in ihrer neuen Rolle ganz glücklich, obwohl sie dem Journalismus derzeit entsagen muss.

Passend zur aktuellen Debatte über die Frauenquote zeigte sich bei der Tombola die Glücksfee als deren dezidierte Anhängerin. Ballorganisator Alfred Gertler war schon fast ein bisschen irritiert, dass diesmal so viele Frauennamen gezogen wurden. Als das Auto dran war, ein Mercedes der A-Klasse, kam doch mal ein Mann zum Zuge. Der durfte sich aber nur wenige Minuten freuen. Der Einspruch vom Notar folgte prompt. Ein Zahlendreher hatte dem falschen Los den Sieg zugesprochen. Gertler entschuldigte sich für den Fehler „in Demut“ und verlas den richtigen Siegernamen. Der gehörte wieder einer Frau. Bi

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