Berlin : Stadtmenschen: Neue Gesichter im Amerika Haus

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Amerika-Haus, Dienstagnacht. Früher ging es immer bis zum frühen Morgen. Dass die Party diesmal nur bis Mitternacht ging, hatte die US-Botschaft im Nachhinein betrachtet ja ganz richtig arrangiert: Da noch lange noch kein Ende der Spannung in Sicht war, hätte es schon das Durchhaltevermögens eines Technotänzers bedurft. Wahlpartys sind überall auf der Welt gleich. "Hier ist es ganz genauso wie in Nigeria vor vier Jahren", stellte ein europäischer Diplomat fest. Dafür war es nicht genauso wie in Berlin vor vier oder gar acht Jahren. Gerade an solchen regelmäßig stattfindenden Veranstaltungen wie der traditionellen Wahlparty im Amerika Haus wird sichtbar, wie sich die Stadt wandelt. Vor acht Jahren, als Bill Clinton ins Amt gewählt wurde und George Bush Senior schlug, herrschte noch nachts um zwei dichtes Gedränge. Das lag nicht nur daran, dass es auch damals spannend war, weil ja die deutsche Wiedervereinigung mit Unterstützung der Amerikaner noch nicht allzu lange zurück lag. Es war auch eine Demonstration der Verbundenheit mit den Alliierten, die damals noch im Stadtbild präsent waren. Diesmal hatte die Botschaft die Party organisiert. Viele von denen, die früher gern ins Amerika Haus gekommen waren, mussten auf andere Partys ausweichen, um Platz zu machen für Politiker und Diplomaten, die vor vier Jahren noch nicht in der Stadt waren. Auf den Regierungsumzug war auch das frühe Ende zurückzuführen. Für den nächsten Morgen hatte man Politiker zur Wahlanalyse geladen. Nach der Verlesung des überaus deutlichen Endergebnisses der Wahl im Amerika Haus (71,3 Prozent für Gore, 12,9 Prozent für Bush) war wirklich Schluss. Unter denen, die bis dahin ihre Analysen abgaben, waren FU-Präsident Peter Gaethgens, Catherine McArdle Kelleher vom Aspen Institut, Heike MacKerron vom German Marshall Fund, Jürgen Graf, Peter Dussmann und seine amerikanische Frau Catherine und der Publizist Melvin Lasky.

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