STADTMENSCHEN : Neues von einem alten Meister

Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Foto: Kitty Kleist-HeinrichFoto: Kitty Kleist-Heinrich HF

30 Jahre lang stand Kunstförderer Peter Raue dem Freundeskreis der Neuen Nationalgalerie vor. Vor einem Jahr bekam er die Einladung, beim „Vorweihnachtlichen Abend“ – dem alljährlichen Ritual für Freunde des Kaiser-Friedrich-Museumsverein – sein Lieblingsbild von den alten Meistern vorzustellen. Das nahm er als Herausforderung: „Welche List, mir die Last des Vortrags als Lust erscheinen zu lassen“, schrieb er dem Vereinsvorsitzenden Tessen von Heydebreck. In der Folge ließ er sich von Direktor Wolfgang Lindemann und Gechäftsstellenleiterin Bettina Held durch die Gemäldegalerie führen, arbeitete in der Bibliothek, aber auch bei einer Rom-Reise an dem halbstündigen Vortrag, der am Sonntagabend den Thrill der „Tatort“-Zeit mit kunsthistorischen Enthüllungen verband.

Lieblingsbilder gibt es in Raues Vorstellungswelt so wenig wie Lieblingskinder, und so näherte er sich Orazio Gentileschis sonst eher weniger beachteten „Landschaft mit dem Hl. Christopherus“ in seinem furiosen Vortrag über Werke von Adam Elsheimer. Warum verstand man erst ganz am Schluss, als der Vortragende en passant enthüllte, dass Museumsgründer Wilhelm von Bode selbst Gentileschis Christopherus für einen Elsheimer gehalten habe. An diesem Christopherus liebe er vor allem die Entdramatisierung der Legende, nach welcher der hünenhafte Heilige das Christuskind übers Wasser trägt und unter der Last fast zusammenbricht. Dieses Bild hingegen zeigt für ihn „das Ende eines Weges in einer heiteren, dem Moment verpflichteten Pose“. Heiter war auch Tessen von Heydebreck gestimmt, denn das vergangene Jahr war gut zu Berlins ältestem Museumsverein. Die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ bescherte einen Mitgliederzuwachs um zehn Prozent. Zum Kinderfest kamen rund 5000 junge Fans alter Meister. Bi

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