STADTMENSCHEN : New York ehrt Gourmet Kosslick

Foto: Mike Wolff
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Wer es in New York schafft, kann es überall schaffen. Frank Sinatras Song „New York, New York“ trifft offenbar auch auf Dieter Kosslick zu. Und das dankt der bekennende Gourmet und Vegetarier ausgerechnet seiner Leidenschaft für gutes Essen. Das Museum of Modern Art (MoMA) widmet dem Berlinale-Chef zu seinem zehnten Festival-Jubiläum eine Filmreihe. Vom 22. bis 30. August können die New Yorker unter dem Titel „Carte Blanche: Dieter Kosslick, the Culinary Cineaste“ elf Filme mit kulinarischem Bezug anschauen. „Carte Blanche“ bedeutet, dass Kosslick freie Hand bei der Auswahl der Filme aus dem MoMA-Archiv hat.

Dazu gibt es, wie beim Kulinarischen Kino in Berlin, Spitzenmenüs, die eigens für die Filme konzipiert wurden. Während in Berlin immer mehrere Köche beteiligt sind, zeichnet dort Gabriel Kreuther verantwortlich, Küchenchef des kultigen MoMA-Restaurants „The Modern“. Der Elsässer kocht seit 1997 in New York und hat für „The Modern“ auch schon einen Michelin-Stern geholt.

Für Kosslick ist die Küche „auch ein Gradmesser für die Kultur eines Landes“. Als er 2007 das Kulinarische Kino ins Leben rief, war das ein Experiment, das vor allem seiner persönlichen Passion für die Beziehungen zwischen Film, Kultur, Küche und Umwelt geschuldet war. „Nahrung verbindet Menschen miteinander und mit der Umwelt“, aus diesem Credo entwickelte sich die Kombination von teils kritischen Filmen über die Produktionsbedingungen von Lebensmitteln und anschließenden hochkarätigen Menüs.

In letzter Zeit freute sich die Berlinale über Anfragen auch aus anderen europäischen Ländern, die Beratung und Unterstützung suchen, um ähnliche Festivals auf die Beine zu stellen. Im persönlichen Gespräch macht der Berlinale-Chef keinen Hehl daraus, wie glücklich er ist, dass sein Konzept künftig Nachahmer finden wird, zum Beispiel beim neuen Transatlantyk-International Film & Musik Festival vom 7. bis zum 12. August in Posen. Und in San Sebastian wird es künftig im Rahmen des Festivals ebenfalls ein „Zinema Culinaria“ geben.

Gleich von Beginn seiner Amtszeit an legte Kosslick Wert darauf, dass auch bei den Berlinale-Events gut und bewusst gegessen wird, zog Spitzenköche aus dem ganzen Land heran. Berlinale-Mitarbeiter beobachteten in diesem Jahr, dass inzwischen auch in Cannes renommierte Köche am Werk sind, die mit ökologisch hochwertigen Zutaten anspruchsvolle Menüs zubereiten. Bye, bye, Burger in der diskreten Dunkelheit des Kinosaals. Der umweltbewusste Gourmet scheint der Cineast der Zukunft zu sein. Bi

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