Berlin : Stadtmenschen: Nina, Sex, Love and Peace

Der verschneite Vorplatz der Kirche am Hohenzollernplatz in Berlin ist mit brennenden Fackeln abgesteckt, in den Bäumen flattern tibetische Gebetsfahnen. Zu den Trommelschlägen eines tibetischen Mönchs tanzt eine Künstlerin den "Aufstand der Bäume", in dem Geäst hockende Schauspieler stimmen ein Zwiegespräch der Buchen an. Der Aktionskünstler Ben Wargin hat mit dieser Performance auf das Baumprojekt in Tibet von Padma Wangyal aufmerksam gemacht, der gegen die Zerstörung der Wälder auf dem Dach der Welt kämpft. Die tibetische Gemeinde und ihre Freunde haben am Samstagabend zur Großen Tibetischen Neujahrsparty - Losar 2128 - geladen. Zum Jahr der Metall-Schlange haben die Veranstalter den Kirchensaal in einen tibetischen Tempel verwandelt. An der Wand hinter der Bühne hing ein großes Mandalabild mit dem Portrait des Dalai Lama, dem im indischen Exil lebenden geistlichen und weltlichen Oberhaupt der Tibeter.

Die Sängerin Nina Hagen mit ihrem Hang zum Spirituellen war an diesem Abend in ihrem Element. Sie moderierte das umfangreiche Kulturprogramm und überbrückte die Pausen mit ihren Balladen an der akustischen Gitarre. In schwarzem Kleid, orangefarbenen Kopftuch und pinkfarbenen Zöpfen kündigte sie als einen der vielen Höhepunkte des Abends die Neujahrsputscha des Mönchs Tulku Gelek an, der ein Mandala für den Dalai Lama und den Weltfrieden zelebrierte.

Mit dem tibetischen Neujahrsfest verbindet Deutschlands bekannteste Rockdiva ein "Signal für den Weltfrieden". "Ich liebe und respektiere alle Regionen", sagte sie, "und überhaupt, Sex, Love and Peace sind doch das Schönste auf der Welt." Die Hagen verströmte Selbstzufriedenheit und beschränkte sich weitgehend auf ihre Moderatorenrolle. Der Bitte eines Fans, der sich ein Rockstück wünschte, wollte sie nicht nachkommen: "Ich bin zur Moderation verpflichtet", antwortete sie lächelnd, "muss mich also moderat verhalten." In einer Pause zeigte sie dann einen Ausschnitt ihres Dokumentarfilms "OM - Gottes Willen", der ihren indischen Lehrmeister porträtiert. Der sei ein in den 70er-Jahren in Indien erschienenes Phänomen, erklärte sie, ein göttliches Leben in einem menschlichen Körper.

Rund 500 Menschen, darunter viele Asiaten unterschiedlicher nationaler Herkunft, waren zur tibetischen Neujahrsparty gekommen. Mit der Hälfte der Einnahmen des Abends werden das Waisenhaus Tendol Gyalzur unterstützt sowie die Ausbildung tibetischer Mönche in Südindien finanziert, die nach Tibet zurückkehren wollen, "um dort unter größten Schwierigkeiten den Buddhismus zu lehren". Außerdem wird das Tibetbaum-Projekt zur Aufforstung Tibets gefördert.

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