Berlin : Stadtmenschen: Regierender Obermeister - Heinz M. Zellermayer feiert 85. Geburtstag

hema

Adlon-Ballsaal, Montagvormittag. Das Geburtstagskind ragt auch im gestern vollendeten 85. Jahr noch immer über alle hinaus - im Adlon nicht nur durch hohen Wuchs, sondern vor allem auch durch das Lob seiner Gratulanten. Als ein "West-Berliner Denkmal" wurde Heinz M. Zellermayer da bezeichnet, auch als ein "Kerl wie ein Baum, immer gut betucht und das nicht nur von Armani", als "Grand Seigneur des Berliner Hotel- und Gaststättenverbandes" und als "Regierender Obermeister von Berlin". Das war er im Gastgewerbe 40 Jahre lang, und er ist damit länger im Amt als der andere Regierende. Der ließ durch Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner gratulieren, "lieber hier als in London" wäre Diepgen beim 85. Geburtstag von Zellermayer gewesen. Dafür hielt Klaus Landowsky das Panier der CDU in der Gratulationsrunde hoch, zu der unter anderen auch Hanna-Renate Laurien und Manfred von Richthofen gehörten und viel gepflegte Weiblichkeit, darunter Lingling van der Valk, die Frau des ehemaligen niederländischen Gesandten. Der Jubilar gilt noch immer als Damenschwarm, obwohl seit 25 Jahren Ehefrau Anne aufpasst. Vorher war es Winnie Markus - gestern wartete alles, ob die Schauspielerin kommt, wie schon zum "80." ihres Ex. Den lobte gestern der Ehrenpräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes, Leo Imhoff, über den grünen Klee. Und das zu Recht. Wer es als Neu- oder Ost-Berliner noch nicht wissen sollte, was am 20. Juni 1949 die Berliner Spatzen von allen Dächern pfiffen - dem in Berlin geborenen Österreicher Zellermayverdankt seit diesem Tag die Stadt ihre (fast) durchgängig laufenden Zapfhähne. Im viergeteilten Berlin hatten nach dem Krieg die Kneipen im Osten immer eine Stunde länger geöffnet - was die Gäste aus den westlichen Sektoren zu den Russen trieb. Bis Zellermayer dem US-General Frank Howley die Abschaffung der Sperrstunde aufschwatzte. Nicht ganz uneigennützig - Zellermayer war selbst Gastronom und wollte als Unternehmer weiterkommen. Das kam er - wieviel Milliönchen man anlegen muss, "damit es scheppert", weiß der einschließlich Berliner Jargon sechssprachige Jubilar noch immer am besten. Und bis heute hat er "überall einen Finger im Brei" - auch als Mitgesellschafter im Fernsehturm. Dort will Zellermayer seinen "90." feiern, gestern schaute sich Turmchef Hartmut Wellner bei Jean van Daalen schon mal an, wie man das im Adlon macht.

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