STADTMENSCHEN  : Republik mit Milchschaum

Politiker haben momentan anderes im Sinn, als abends den 15. Gründungstag des Café Einstein Unter den Linden zu feiern – sie kommen eher zum Frühstück oder mal zwischendurch. Aber Medienprofis wie Werner Sonne, die ihre Gäste auf die kaffeebraunen Ledersofas vor die Live-Kameras holen, waren Montagabend ebenso zahlreich vertreten wie Schauspieler, Schriftsteller und alle, die das Besondere der Gastlichkeit dort schätzen. Über 800 Gratulanten schüttelten Gründer und Inhaber Gerald Uhlig-Romero die Hände. Der vergleicht das Kaffeehaus mit einem Bienenkorb, einem Ort aus vielen unterschiedlichen Leben und Stimmen. In seinem Einstein-Kosmos würde es immer auch um Kunst gehen, um gutes Essen und geistvolle Gespräche. Als Garant für die freundliche Noblesse, mit der hier jeder Gast, ob Promi oder Touri, behandelt wird, lobt der Chef unter Beifall seinen Geschäftsführer Dieter Wollstein, den letztens sogar der „Playboy“ für ein Porträt entdeckt hat. Und Marilyn Monroe war auch unter den Gästen: Sie blickt einem von riesigen Fotos über die Schulter, ist lächelnder Teil der Atmosphäre in diesem berühmten Kaffeehaus, der Perle der „Linden“. Schriftsteller und Tagesspiegel-Autor Moritz Rinke, der sich gerade mit der Schauspielerin Ilse Ritter unterhält, mag die Lässigkeit: Einmal saß er mit „Aspekte“-Chef Wolfgang Herles am Tisch, und plötzlich setzt sich Otto Rehhagel dazu, so geht das hier. Würde ein Schriftsteller hier Ruhe und Muße für neue Ideen finden? „Ich bezweifle, dass er hier seine Augen nach innen richten könnte, aber er kann wunderbar im Außen beobachten: eine kleine, große Republik mit all ihrem Milchschaum.“ Und was ist denn nun dieses Einstein? „Ein Café der Berufenen, der Erfinder, Macher und Mächtigen. Eine Mischung aus Kaffeedampf, Klatsch und Schnitzel.“ Apropos: eine Geburtstagsillustrierte ist voller Fotos prominenter Gäste, einer davon war Dennis Hopper. Und der sagte: „Euer Wiener Schnitzel ist besser als die meisten Filme, in denen ich gespielt habe.“ Lo.

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