Berlin : Stadtmenschen: Russische Geheimnisse

hema

Nie wieder hat man jemand im Film so tragisch und zugleich romantisch sterben sehen, wie Alexej Batalow 1957 in "Die Kraniche ziehen". Wie sich da russische Birken immer schneller über dem tödlich getroffenen Rotarmisten drehen, dieser sich in seiner letzten Lebensminute mit dem geliebten "Eichhörnchen" als Brautpaar sieht - eine Szene, die man nie vergaß. Schon deshalb nicht, weil man den Film mehrmals sah. Wie später auch den 1980 mit einem Oscar ausgezeichneten Film "Moskau glaubt den Tränen nicht" mit Batalow. 21 Jahre später konnte man ihn persönlich erleben. Am Tag seines 73. Geburtstages war der berühmte "Volkskünstler Russlands" im Russischen Haus angekündigt. "Das Gespräch mit A. Batalow wird ins Deutsche übersetzt", versprach dort ein Zettel - in Russisch. Die Dienstagabend den Großen Saal füllten, hatten das alle lesen können. Und konnten dann auch alles verstehen, als Batalow die Bühne betrat. Weder offiziell begrüßt noch beglückwünscht begann der "Verdiente Künstler" - das ist er auch - das "Künstlergespräch". Das führte er mit dem Mikrofon, in das er mit weicher Stimme schnell und so lange recht leise hineinsprach, bis einer aus dem Publikum etwas zu ihm raufrief. Russisch. Es muss gut gewesen sein, was er erzählte, manchmal wurde dezent gelacht. Schön sah es auf alle Fälle aus - ab und an breitete Batalow seine schmalen Hände wie sanfte Flügel aus. Nur warum, das blieb für den sprachlichen Außenseiter dieser "geschlossenen Gesellschaft" ein Geheimnis.

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