Berlin : Stadtmenschen: Schröders Abschied

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Bislang war es sein kleines Geheimnis. Vielleicht wegen der Konkurrenz auf dem Berliner Zeitungsmarkt? Dann ehrt es Dieter Schröder besonders, dass er es am Ende seiner Dienstfahrt, bei der Verabschiedung als Herausgeber der "Berliner Zeitung", gelüftet hat: Am Anfang stand der "Tagesspiegel". Dort nämlich fand sich - vor gut fünfzig Jahren - die Meldung, dass eine Journalistenschule in München einen Ausbildungsplatz für einen Berliner vorhielt. Den bekam der Abiturient aus Köpenick, und so begann eine erfolgreiche journalistische Karriere. Sie führte nach über 30 Jahren bei der Süddeutschen Zeitung, nach Stationen in Bonn, London und München, konsequent wieder nach Berlin und am Mittwochabend in das ehemalige Kaiserliche Haupttelegraphenamt in der Jägerstraße. Dort drängte sich nun die Prominenz, dort ballten sich - unter dem schön restaurierten Deckentragwerk der Haupthalle - die Lobsprüche. Ein Alt-Bundespräsident - Walter Scheel -, zweierlei Schröder, denn Bundeskanzler Gerhard Schröder war gekommen, drei Minister - Ulla Schmidt, Hans Eichel und Werner Müller - und natürlich viele Kollegen waren da, Berlin hingegen mit den Senatoren Christoph Stölzl und Eckart Werthebach eher dünn vertreten - vielleicht gibt es da im Moment wenig Neigung zum Feiern. Die Reden, wie es sich gehört, auf Festrede-Ton gestimmt. Der Vorsitzende von Gruner und Jahr, Bernd Kundrun, und Zeitungsgeschäftsführer Torsten-Jörn Klein priesen den Zeitungsmann, Eberhard Esche, der Schauspieler, den befreundeten Förderer, Zeit-Herausgeber Josef Joffe den Journalisten, Chefredakteur Martin Süskind den Herausgeber - beide übrigens alte Süddeutsche-Zeitungs-Leute. Dem eher zum Understatement neigenden Schröder wurde ganz blümerant. Das bekam seiner Rede gut: Sie war kurz, ironisch und versetzt mit kleinen Spritzern von Sentimentalität.

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