STADTMENSCHEN  : Schüler kleiden Siegfried ein

Foto: dapd/Axel Schmidt
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Der „Ring des Nibelungen“ dauert normalerweise 16 Stunden, ist mit mehr als 100 Orchestermusikern besetzt und schon für Erwachsene ziemlich schwer zu verstehen. Bei den Bayreuther Wagner-Festspielen kommt der „Ring“ für Kinder in nur eineinhalb Stunden auf die Bühne. Und wenn die Kinderoper am Nachmittag der Festspieleröffnung im Juli Premiere feiert, werden Siegfried, Brünnhilde und Wotan in Berliner Entwürfe gekleidet sein: Grundschüler aus der Hauptstadt haben im Rahmen eines Wettbewerbs die Kostüme entworfen. „Wagner für Kinder“, heißt das Projekt, im Dezember fiel der Startschuss. Zum ersten Mal haben an dem Kostümwettbewerb nur Berliner Schulen teilgenommen, in enger Zusammenarbeit mit Regisseur Maximilian von Mayenburg von der Hochschule für Musik Hanns Eisler.

Fünf Grundschulen waren für den von der Stiftung Fair Play koordinierten Wettbewerb ausgewählt worden. Am Dienstag kamen alle in der Deutschen Oper zusammen, um ihre Entwürfe einer Jury um Bayreuth-Chefin Katharina Wagner und Maximilian von Mayenburg zu präsentieren. Ob es ein Zufall ist, dass ausgerechnet die Karlshorster Richard-Wagner-Schule zum Sieger gekürt wurde? Die vier übrigen Schulen – die Johannes-, die Nelson-Mandela- und die Birger-Forell-Schule in Wilmersdorf sowie die Evangelische Schule in Steglitz – müssen sich jedenfalls nicht allzu sehr grämen: Von jeder Schule wird ein Entwurf verwendet, wer wen einkleidet, wird bis zur Aufführung noch aufgeteilt. Die Richard-Wagner-Schule bekommt als Sieger 250 Euro obendrauf.

In den vergangenen Monaten stand im Unterricht Außergewöhnliches auf dem Plan: Heldensage und Göttermythos des „Ring“. Die Schüler charakterisierten die Figuren, überlegten, wie die Darsteller gekleidet sein könnten. „Ich war anfangs nicht ganz überzeugt, dass Wagner für Kinder funktioniert“, sagt Friederike Fischer, Musiklehrerin an der Birger-Forell-Grundschule. „Die Musik ist schwer und wird im Unterricht sonst nicht behandelt.“ Die Kinder aber seien begeistert gewesen, die Kostüme fantasievoll.

„Wagner für Kinder gehört seit zwei Jahren zum Programm der Festspiele. „Der fliegende Holländer“ und „Tannhäuser“ waren schon als Kinderopern zu sehen, auf einer Probebühne neben dem Festspielhaus. Dort gibt es nur 200 Plätze. Wie für das große Haus müssen deshalb auch die Karten für das Kinderprogramm rechtzeitig reserviert werden – wenn auch nur zwei Monate und nicht Jahre im Voraus. pth/kba

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