STADTMENSCHEN : Streicheleinheiten für Berlins Köche

von
Wagner
Wagner

Nun ist es, finden alle, für dieses Jahr auch genug mit Köche- und Gastronomie-Galas. Aber die letzte, am Montagabend im Münchener Hotel „Vier Jahreszeiten“, war dann doch ganz heiter – und streichelte die Seele Berlins mit gleich drei überwiegend unerwarteten Auszeichnungen. Das österreichische Branchenmagazin „Rolling Pin“, das den deutschen Markt im Visier hat, ließ seine Leser nach den „Leaders of the Year“ suchen, jenen Persönlichkeiten also, die die deutsche Gastronomie und Hotellerie vorangebracht haben durch außergewöhnlichen Erfindungsreichtum oder einfach nur geschäftlichen Erfolg. Aus den jeweils drei am häufigsten genannten Kandidaten wählte eine Jury schließlich den Sieger.

Und bitte: Berlin obsiegte mit drei ersten Plätzen über München, Hamburg, Baiersbronn und Bergisch Gladbach, die nur jeweils zwei schafften. Die größte Überraschung war sicher der Titel „Aufsteiger des Jahres“ für Andreas Saul, den Chef im winzigen „Bandol sur mer“ in Mitte, der sich gegen zwei junge Sterneköche aus Ketsch und Stuttgart durchsetzte. Saul ist ein vergleichsweise unbeschriebenes Blatt, hat aber als langjähriger Sous- Chef im „Rutz“ Höhenluft geschnuppert – und brilliert überdies mit Piercings und Tätowierungen der internationalen Spitzenklasse.

Zweiter Berliner Sieger ist Thomas Gläser, der langjährige Patissier des „Facil“. Er war fast ebenso verdutzt wie Saul, weil es sich bei seinen Gegnern immerhin um die aktuellen Stars der deutschen Süßigkeiten- Szene handelte, Christian Hümbs vom „La Mer“ in Sylt und Andreas Vorbusch vom dreibesternten „Vendome“ in Bergisch Gladbach. Eher einen Gewinn mit Ansage feierte dagegen Billy Wagner vom „Rutz“, der zum Sommelier des Jahres gewählt wurde – ein bundesweit bekannter bunter Hund der Weinszene, wie immer im schluffigen Bohème-Look zwischen allerhand Smoking-Trägern.

Noch zwei Berliner waren mit Hoffnung auf eine Auszeichnung angereist – aber so viel Hauptstadt hatten die Juroren den Veranstaltern in München dann wohl doch nicht zumuten wollen. Boris Häbel vom „Lorenz Adlon Esszimmer“ wollte Maître des Jahres werden, unterlag dann aber Miguel Calero („Vendome“), und Josef Laggner, Chef des Lutter-&-Wegner-Imperiums, kandidierte als „Gastronom des Jahres“. Diesen Titel aber holte zur allgemeinen Nicht-Überraschung Platzhirsch Alfons Schuhbeck. Der Rest gestaltete sich unberlinisch. Heiner Finkbeiner, der Patron der „Traube Tonbach“, wurde außer Konkurrenz für sein Lebenswerk ausgezeichnet, und den Titel „Koch des Jahres“ räumte schließlich Nils Henkel ab, der Küchenchef auf Schloss Lerbach.Bernd Matthies

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