Berlin : Stadtmenschen: Vogler liest

hema

Wenn "Kennzeichen F" einlädt, fährt sogar schon mal der Staatssekretär im Verteidigungsministerium sonntags in einem Ritt nach Oberfranken und zurück nach Berlin. Hier wollte Heidi Stützle am Sonntagabend unbedingt die Lesung von Karl Michael Vogler im Savoy Hotel miterleben, also holte sie Walther Stützle als guter Ehemann aus ihrem fränkischen Geburtsort ab, wo die Medizinerin ihre alten Eltern versorgte. Die Stützles gehören zum Stammpublikum der literarischen Veranstaltungen von "Kennzeichen F". Die organisiert seit eineinhalb Jahren Angelika Fessmann - die "Grande Dame der Literatur-Events" wurde sie auch schon genannt. Das literarische Schmankerl, das sie ihren Gästen vor den leiblichen Genüssen des Savoy Hotels bot, entdeckte sie auf den Salzburger Festspielen. Dort war sie von dem Henry-Miller-Abend "so unglaublich begeistert", dass sie Karl Michael Vogler sofort nach Berlin einlud. Der Künstler ist durch zahlreiche Spielfilme und über 260 Fernsehrollen bekannt, seit längerem aber vor allem durch seine literarisch-musikalischen Präsentationen. Die im Savoy hätte der 72-Jährige am liebsten stehend absolviert - war es ihm doch kürzlich bei einer Lesung so schmerzhaft in den Rücken gefahren, dass er vom Stuhl nicht wieder hoch kam. In Berlin las er "Das Lächeln am Fuße der Leiter" - die einzige bekannte Auftragsarbeit Henry Millers, die dieser 1948 zu Bildern von Ferdinand Léger verfasste. Für Miller war es "die seltsamste Geschichte meines Lebens", für Vogler ist es die "schönste Clownsgeschichte der Literatur". Die "lebte" fast der Vorleser seinen Zuhörern vor - darunter mit Ilse Pagé, Anita Lochner und Petra Hinze auch drei Kolleginnen.

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