STADTMENSCHEN : Vom Kellner zum Meilenmillionär

Seit nunmehr 60 Jahren ist Rudolf W. Münster im Hotelgeschäft tätig. Aber zur Legende wurde er in seiner Zeit als Direktor des Kempinski am Kurfürstendamm zwischen 1968 und 1980. Seine enge Freundschaft mit Hildegard Knef trug dazu bei. Er schützte die Filmschauspielerin vor der öffentlichen Neugier, als es ihr schlecht ging. Er organisierte Filmbälle, einen Olympiaball und half mit, dass die strengen Dresscodes, die im Kempinski-Grill galten, für Stammgast Herbert von Karajan leicht gelockert wurden, so dass er einen Rollkragenpullover unter seinem Jackett tragen konnte. Shirley Bassey wurde dort Anfang der 70er Jahre noch abgewiesen, weil ihr Hosenanzug als nicht angemessen galt. Als die Mauer noch stand, war das Kempinski in West- Berlin wichtigste Anlaufstelle für prominente Schauspieler, Schriftsteller, Sportler und Modeschöpfer. Das glamouröse Leben war nicht vorgezeichnet. Der Vater des gebürtigen Berliners war 1945 gefallen, das Elternhaus in Friedenau zerbombt, die Mutter mittellos nach Thüringen umgesiedelt. Vom ersten Geld als Kellnerlehrling kaufte sich Münster Schuhe mit Ledersohlen. 1952 ging er auf Reisen, unter anderem nach Amerika. Er traf die richtigen Leute. Conrad Hilton riet ihm, die renommierte Cornell University zu besuchen. Seit 1980 berät Münster von seinem Büro am Kurfürstendamm aus, das gleich neben dem Hotel liegt, weltweit Hotelbetreiber und Regierungen, unter anderem in Südafrika, Namibia, Kroatien und Brasilien. Rund 200 000 Kilometer jährlich flog er in seinen besten Zeiten durch die Welt. Mit 74 Jahren ist das etwas weniger geworden. Trotzdem arbeitet er an neuen Projekten. Als junger Kellnerlehrling im August 1948 hätte er sich eine solche Zukunft kaum ausmalen können. Bi

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