Berlin : Stadtmenschen: Wunder der Bescheidenheit

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Wer sich Formulierungen wie die vom "Recht auf das erste Häppchen" ausdenkt, weiß natürlich, dass er im Glashaus sitzt. Der FAZ-Gesellschaftskolumnist Wilfried Rott hatte also vorsichtshalber einige Entschuldigungen mitgebracht zur Präsentation seines Buches "Prof. Rott geht durch die Stadt" (Quadriga). Der Verlag stecke sein Geld in die Autoren, und die seien wiederum für die Bewirtung zuständig. Er erinnerte vage an die wundersame Brotvermehrung in der Bibel und tat dies nicht ohne Erfolg. Die Menschen lieben es, an Wundern teilhaben, deshalb kann hier nur aus der Perspektive der Betrachtenden, nicht der Probierenden berichtet werden: es gab genau ein Tablett mit Käsestangen, einige Flaschen Wein und Wasser. Biblischer geht es nur noch mit Fischen, aber das wäre dem sich an diesem Abend so bescheiden gerierenden Autor womöglich zu extravagant erschienen. Im Anschluss an die von großer Ausdauer des Autors geprägten Lesung durfte der scheidende Teil des Publikums eine abenteuerliche Irrfahrt durch diverse Etagen des noch nicht eröffneten Deutschen Technik Museums absolvieren. Der Trend zum Adventure Event macht halt auch vor der konservativen Presse nicht halt. Grandios war allerdings der Ausblick am Flugzeug vorbei auf den Potsdamer Platz. Angelika Fessmann, die Grande Dame der Literatur Events, sah ganz so aus, als plane sie schon weitere Lesungen mit Aussicht. Florian Illies ("Generation Golf") erörterte durchaus geistreich die Frage, ob es den Autor wirklich gibt, und ob er wirklich ein Professor ist. Zuhörer mag hingegen eine andere Frage noch mehr interessiert haben: Hat der Mann wirklich sein ganzes Buch vorgelesen? Boulevard Berlin:
Was die Stadt bewegt...

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