Berlin : Stadtmenschen: Zauberhafte Verwandlung der Pfaueninsel

Rdh.

Es ist Berlins zweitgrößte Insel, ein klassisches Ausflugsziel, aber der Ort, an dem Berlin in "Sand und Wasser seine Feenwelt" erblickt, ist die Pfaueninsel auch. So hat es Wolf Jobst Siedler in einem zärtlichen literarischen Aquarell beschrieben. Ein bescheidener Sehnsuchtsort, wie eben so Berliner Sehnsüchte sind, ein Ort, über den die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten wacht, ein Platz mit Geschichte und Geschichten. Dazu gehört das etwas martialische Fest, dass die Größen des Dritten Reiches im August 1936 hier für die internationalen Gäste der Olympischen Spiele veranstalteten. Nun kam, sechzig Jahre später, eine neue Arabeske zur Geschichte der Havel-Insel hinzu.

Das geschah, als am Sonntagnachmittag in wenigen Stunden das Wetter strahlend aufbrach, das Wasser glitzerte, der Park sein sattes Grün wiedergewann, und es waren andere Töne. In der Rosengartenlaube spielte ein Streichtrio Schubert, an der großen Fontäne ein Quartett Mendelsssohn, ein Flötist blies, und der ukrainische Pianist Arcadi Volodos brillierte - alle hingebungsvoll akkompagniert vom Vogelgezwitscher im Park. Schließlich trat leibhaftig Christian Thielemann auf, der Generalmusikdirektor der Deutschen Oper, zwischen zwei Bayreuther Proben nach Berlin gekommen. Und wunderbarerweise klangen in das Siegfried-Idyll, das er mit seinem Orchester spielte, pünktlich zum Verebben der Wagner-Wogen die hellen Schläge der Schlossuhr.

Die zauberhafte Verwandlung von Insel und Park verdankte sich dem Deutsch-polnischen Verein für Osteuropa, der mit diesem Benefizkonzert ein Projekt für Straßenkinder in Kiew begann. Demgemäß mischten sich auf dem Schiff, mit dem man vom Haus der Familie Monheim auf Schwanenwerder die Insel angesteuerte - Barbara Monheim ist die Vorsitzende des Vereins -, das Deutsche und das Polnische. Zwar hatte Polens Ministerpräsident Jerzy Buzek kurzfristig absagen müssen, doch dabei waren Polens Botschafter Jerzy Kran und Adam Mychnik, einer der geistigen Köpfe von Solidarnosc. Und, da Kiew die Adresse der Aktion ist, auch Anatolij Ponomarenko, Botschafter der Ukraine.

Keine professionelle Agentur hatte dieses "Event" auf der Pfaueninsel organisiert. Zwar hat Isa Gräfin von Hardenberg mit ihrem Hardenberg-Concept dem Unternehmen helfend unter die Arme gegriffen, aber eigentlich doch als Mitglied des kleinen Freundeskreis, der sich an das Projekt gewagt hat - neben ihr vor allem Rechtsanwältin Ursula Raue und Christoph von Hammerstein. Viele andere halfen mit Rat und Tat: Außenamts-Staatssekretär Wolfgang Ischinger, auf dem Sprung nach Washington, Adlon-Direktor Jean van Daalen, Volker Hassemer von "Partner für Berlin", Regisseur Volker Schlöndorf - er drehte einen beeindruckenden Filmspot über die Kiewer Strassenkinder - und viele Sponsoren, von DaimlerChrysler bis Schering.

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