Stadtmission : Mit Grill und Retriever

Die Stadtmission startet eine „mobile Sommerhilfe“. Golden-Retriever-Hündin Tikwa erleichtert Kontakt zu den Obdachlosen

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Im Kofferraum des Kleintransporters liegen Würstchen und ein Grill, und die mittlerweile überregional bekannte Golden-Retriever-Hündin Tikwa macht sich auf der Rückbank breit. Zum ersten Mal startete gestern die „mobile Sommerhilfe“ der Berliner Stadtmission: Ähnlich wie im Winter mit dem Kältebus will das sozial-missionarische Werk der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz künftig auch in den warmen Monaten des Jahres Berlins Wohnungslose an ihren Schlafplätzen aufsuchen und ihnen Hilfsangebote machen.

„Es gibt in dieser Stadt ein gut funktionierendes soziales Hilfesystem“, sagte der Direktor der Berliner Stadtmission, Pfarrer Hans-Georg Filker, am Mittwoch vor Journalisten. „Aber es gibt auch Menschen, die von sich aus nicht in der Lage sind, diese Angebote wahrzunehmen.“ Dies gelte etwa für Wohnungslose, die unter psychischen Beeinträchtigungen litten. Sie würden von sich aus kaum eine Beratungsstelle aufsuchen. Für sie brauche es eine „hingehende Sozialarbeit“, sagte Filker. „Verirrte Seelen ticken anders.“ Mit Hund und Würstchengrill wollen die Mitarbeiter der „mobilen Sommerhilfe“ den Kontakt zu den Wohnungslosen suchen: „Der Hund schafft die Verbindung“, sagt Artur Darga, der im Winter auch den Kältebus der Stadtmission fuhr.

Bislang mussten sich die Mitarbeiter des Kältebusses stets am 31. März von den Wohnungslosen verabschieden. Im nächsten Winter habe man sie dann oft in einem deutlich schlechteren Zustand wiedergetroffen, sagt Dieter Puhl, Leiter der „mobilen Sommerhilfe“. Damit soll nun Schluss sein: Neben Schlafsäcken und Kleidung wolle die „mobile Sommerhilfe“ auch während der warmen Jahreszeit versuchen, die Menschen in Wohnprojekte und Beratungsangebote zu vermitteln. Die Hilfe soll auch eine „seelsorgerliche Komponente“ haben, sagt Hans- Georg Filker. „Wir wollen Menschen an- und ernst nehmen, die in den Augen der Gesellschaft weggetaucht und zerbrochen sind.“ Finanziert werden soll die „mobile Sommerhilfe“ nach Angaben der Stadtmission vor allem durch Spenden. Die Kosten für das Projekt lägen pro Jahr bei etwa 30 000 Euro. „Bislang haben wir dafür einen Dispositionskredit beim lieben Gott“, sagt Puhl. Benjamin Lassiwe

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