Berlin : Stadtmöbel für Holland

Hans Wall setzt seinen Expansionskurs fort – und eröffnet ein Werk bei Arnheim

Alexander Visser[Duiven]

Hans Wall strahlt, wenn er sich freut. Am Freitag hatte der Berliner Stadtmöblierer viel Anlass zum Strahlen. Der 62-jährige Unternehmer eröffnete den neuen Sitz seiner Wall AG in den Niederlanden. Mehr als 2,5 Millionen Euro hat Wall in den Neubau in Duiven bei Arnheim investiert. Der gebürtige Schwabe setzt so eine Expansionsstrategie fort, die nicht viele Berliner Firmen vorweisen können.

Die Berliner Stadtmöbel vom City-WC bis zum leuchtenden Kiosk sind mittlerweile in sieben Ländern und dutzenden Städten vertreten. Für die Städte sind die Produkte kostenlos, Wall verdient an der Vermarktung der Werbeflächen. „Ich habe Ende der achtziger Jahre die leuchtenden City-Light-Poster in den Niederlanden eingeführt“, sagt Wall. „Als wir vor zwei Jahren in Boston die erste City-Toilette aufgestellt haben, haben Touristen sie fotografiert.“

Neue Ideen seien für den Erfolg wichtiger als Milliardenumsätze. Allerdings ist auch das Familienunternehmen Wall AG kein kleiner Betrieb mehr: 2003 überstieg der Jahresumsatz erstmals die Grenze von 100 Millionen Euro. 550 Menschen arbeiten weltweit für Wall. In den Niederlanden sollen 45 Mitarbeiter in den transparenten Neubau an der Autobahn A 12 ziehen. Wer abends von Amsterdam zum Beispiel nach Düsseldorf fährt, rauscht an Berliner Stadtmöbeln vorbei: In der gläsernen Vorhalle der Fabrik sind Berliner Plakatvitrinen und die neuen Bus-Wartehäuschen mit Computerdisplays ausgestellt. In der dahinter liegenden Montagehalle werden die in Velten bei Berlin produzierten Stadtmöbel zusammengeschraubt. „Wir haben viel Glas verwendet, weil das auch ein zentraler Werkstoff bei den Produkten von Wall ist“, sagt Christoph Fleckenstein, dessen Berliner Industriedesign-Firma Ion den Bau entworfen hat – sich zeigen ist eben ein Unternehmensprinzip von Wall. Das merkt man auch in Berlin, wo er mit Sponsoring-Aktionen auf sich aufmerksam macht: 300 000 Euro zahlte er für die Weihnachtsbeleuchtung am Ku’damm; 80000 Euro für die Patenschaft für den Urvogel Archaeopteryx im Naturkundemuseum. Walls Sohn Daniel, verantwortlich für Vertrieb und Marketing, kennt noch eine weitere Zutat für den Erfolg: „Dass sich die ganze Familie für den Betrieb einsetzt, macht ihn auch bei den Mitarbeitern sympathisch“, sagt er.

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