Stadtplanung : Potsdamer Bürgermeister will Mercure-Hotel abreißen

Oberbürgermeister Jann Jakbos will das Mercure-Hotel am Havelufer kaufen und abreißen. Einen genauen Zeitpunkt hierfür nannte er nicht. Kritik an dem Vorhaben kommt aus den Reihen der Linken.

Peer Straube

Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) hat sich erstmals öffentlich zum Ankauf und Abriss des Mercure-Hotels durch die Stadt bekannt. Gegenüber Potsdam TV kündigte Jakobs entsprechende Gespräche mit dem Eigentümer, der US-amerikanischen Investmentgesellschaft Blackstone, an. „Da geht es um sehr viel Geld“, sagte der Rathauschef. Einen Zeitplan nannte Jakobs nicht, es gehe um eine „mittelfristige Perspektive, sicher nicht in den nächsten drei oder vier Jahren“.

Dem entgegen steht allerdings die Frist bis zum Ablauf des Vorkaufsrechts durch die Stadt. Sie läuft zum Jahresende 2012 aus. Wie berichtet, endet zu diesem Zeitpunkt der Nutzungsvertrag zwischen Blackstone und der Hotelbetreiberin, der französischen Hotelkette Accor. Sollte die Stadt ihre Kaufoption ziehen, müsste sie das Hochhaus zum Restwert kaufen, den ein Wertgutachten klären soll. In Rede stehen mehrere Millionen Euro.

Wann es realistisch sei, das Hotelgebäude zu erwerben, werde vor allem vom Kaufpreis abhängen, sagte Jakobs. Eine „langfristige Perspektive“ für den 17-Geschosser sieht er nicht. „Das passt da schon jetzt städtebaulich nicht hin.“

Mit seiner Aussage erfüllt der Rathauschef eine Forderung, die die FDP jüngst erhoben hatte. Die Liberalen hatten ein klares Bekenntnis zum Abriss des Hotels verlangt, wollen ihm aber noch eine Bestandsgarantie von bis zu 20 Jahren geben. Den Vorschlag der FDP, die Stadt solle das Hotel kaufen und zunächst selbst weiter betreiben, lehnte Jakobs ab. „Ich glaube nicht, dass das sinnvoll ist.“ Die Option, den Palast Barberini, der als Leitbau wiedererrichtet werden soll, zum Gegenstand eines Kompensationsangebots für Blackstone zu machen, stößt beim Oberbürgermeister ebenfalls auf wenig Gegenliebe. „Das steht nicht zur Diskussion“, sagte er.

Harsche Kritik erntete Jakobs von seinem Herausforderer im Kampf um das Amt des Oberbürgermeisters, Linke-Fraktionschef Hans-Jürgen Scharfenberg. Das Ansinnen, das Hotel zu kaufen, um es abzureißen, sei „abenteuerlich“. Er könne sich „keine Jahreszahl“ vorstellen, zu der die Stadt Geld genug habe, ein Gebäude abzureißen, „um daraus eine Pflasterfläche zu machen“, sagte Scharfenberg. Er sprach sich dafür aus, dieses „funktionsfähige Hotel“ an seinem Standort einzupassen. Er sehe keinen Widerspruch zwischen einer Nachbarschaft des künftigen Landtagsschlosses und dem Mercure-Hotel. Allerdings schränkte auch Scharfenberg die Lebensdauer des Gebäudes auf „20 bis 25 Jahre“ ein. Zumindest so lange aber müsse es „Bestandssicherheit“ dafür geben.

Das Mercure-Hotel wurde Ende der sechziger Jahre als Prestigeobjekt der SED-Bezirksleitung, die am Havelufer ein Zeichen sozialistischer Baukunst setzen wollte, als DDR-Interhotel errichtet und 1969 in Betrieb genommen. Für viele ist es eine der größten Bausünden in der Innenstadt. In den vergangenen Monaten wurde das 210-Betten-Haus innen umfassend modernisiert. Sein späterer Abriss gilt bei Experten unter städtebaulichen Gesichtspunkten als unvermeidlich, weil es zum einen das Stadtschloss zu sehr bedrängt und durch seine Existenz die Wiederherstellung des Lustgartens und seiner Sichtbeziehungen zum Schloss verhindert.

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