Berlin : Stadtreinigung probt Einsatz in zeitweiligem Halteverbot

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Mit großem Aufwand hat die Berliner Stadtreinigung (BSR) gestern ihre neueste Aktion im Kampf gegen den Schmutz vorgestellt. Nicht nur Bezirksbürgermeister Hans Nisblé und seine vier Stadträte, sondern auch viele Passanten bestaunten die "bemannte Räumfahrt" - Motto: "Es gibt kein Halten".

Eine Seite der Torfstraße, auf der normalerweise quer geparkt wird, wurde komplett leer geräumt, damit die Männer in Orange ordentlich sauber machen konnten. Dazu mussten ungefähr 15 Autos abgeschleppt werden, obwohl die Verantwortlichen sich die größte Mühe gegeben hatten, auf das zeitweilige Halteverbot aufmerksam zu machen. Schon seit einigen Tagen hatten sie Halteverbotsschilder aufgestellt, in den Hausfluren deutsch-türkische Plakate aufgehängt und Handzettel verteilt, hinter die Windschutzscheiben der Autos Parkscheiben und Putztücher geklemmt und sogar bei den Anwohnern angerufen, um sie darüber zu informieren, dass jetzt zwei Stunden im Monat Halten verboten sein wird. Viele Autofahrer hatten sich auch daran gehalten, den Rest besorgten Polizei und Abschleppwagen. Als alles frei war, konnte die BSR loslegen: Mit Besen, Kleinkehrmaschinen und großen Staubsauger-Fahrzeugen wurden Limo-Dosen, alte Handschuhe, Zigaretten-Stummel, Papier und Joghurt-Becher weggefegt. Gullydeckel, auf denen sonst immer Autos stehen, konnten angehoben werden.

Die Aktion in der Torfstraße ist als Test zunächst bis Juli geplant. Die BSR möchte herausfinden, wie groß die Akzeptanz in der Bevölkerung ist. In anderen deutschen und europäischen Städten sind zeitweilige Halteverbote seit Jahren üblich, in Berlin war ein ähnlicher Versuch in Neukölln im letzten Jahr gescheitert - zu viele Autofahrer hatten das Halteverbot missachtet. Doch die BSR ist optimistisch, dass es diesmal ein Erfolg wird. Zum einen wurde in Neukölln wöchentlich gereinigt, zum anderen ist die Bevölkerung diesmal besser informiert worden. "89 Prozent der Anwohner finden die Aktion gut", sagte Winfried Becker von den Reinigungsbetrieben. "Schließlich ist die Maßnahme nicht gegen, sondern für die Bürger". Wenn die "bemannte Räumfahrt" gut ankommt, soll sie auf weitere Bezirke ausgedehnt werden, vor allem auf Straßen, in denen dauerhaft geparkt wird. Bürgermeister Nisblé appellierte denn auch an die Weddinger, die BSR zu unterstützen. Er sagte: "Man kann nicht immer nur meckern, wie unsauber die Stadt ist, man muss auch selber was dafür tun."

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