Stadtsanierung : Bier trinken fürs Schmucktor

Es überstand zwei Weltkriege und die DDR, jetzt aber bröckelt der Putz ab. Der Verein "KiezGestalten" will das Schmucktor an der Friedrichshainer Knorrpromenade retten – auch mit einer Bar-Tombola.

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Kämpft gegen den Verfall. Projektentwickler Karsten Frank hat den Verein „Kiezgestalten“ gegründet, um das schon stark heruntergekommene Tor der Knorrpromenade in der Nähe des Boxhagener Platzes zu retten. Rund 60 000 Euro soll die Sanierung kosten.
Kämpft gegen den Verfall. Projektentwickler Karsten Frank hat den Verein „Kiezgestalten“ gegründet, um das schon stark...Foto: Paul Zinken

Herrenhäuser, Vorgärten, Ziergehölze. Irgendwie passt die Knorrpromenade nicht ins Bild vom einstigen Arbeiterviertel. Doch das halb zerfallene Steintor am südlichen Ende der knapp 150 Meter langen Straße in Friedrichshain zeigt: Vom Prunk vergangener Tage ist nicht mehr viel übrig. Stahlstreben halten die von Rissen durchzogenen, vier Meter hohen Säulen nur notdürftig zusammen und von den Steinvasen auf dem Tor fehlt auch schon eine. „Zwar hat das Schmucktor zwei Weltkriege und die DDR überlebt, doch wenn nicht bald was geschieht, dann wird’s das gewesen sein“, sagt Karsten Frank. Der 44-jährige Projektentwickler hat mit Freunden den Verein „KiezGestalten“ gegründet, der das Tor retten will.

„Der Senat kümmert sich leider nur um die Erhaltung oder Wiederaufbau von Prestigeobjekten“, bedauert Frank. Dabei steht die gesamte Knorrpromenade mitsamt des Schmucktores unter Denkmalschutz. Schließlich ist das Straßenensemble der letzte Beweis für großbürgerliche Wohnquartiere in Friedrichshain. Erbaut wurden die Häuser zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts, zu dieser Zeit entstand auch das Tor. Ursprünglich waren es sogar zwei. Doch eine Fliegerbombe zerstörte das nördliche der beiden im Zweiten Weltkrieg.

Damit nicht auch das letzte Eingangsportal zur Straße verschwindet, hofft Frank auf die Hilfe seiner Nachbarn und Mitbürger. Er selbst ist hier im Kiez geboren und hat noch nie woanders gelebt. Auch seine Mitstreiter sind allesamt Friedrichshainer. Mit der Rettung des Schmucktores wollen sie auch ein Zeichen für bürgerliches Engagement setzen. „In der Bar sitzen und über Probleme reden, kann jeder, aber man muss auch den Arsch hochkriegen“, sagt er.

Die erste Sichtung eines Architekten ergab: 50 000 bis 60 000 Euro wird die Rettung des Steintores wohl kosten. Zum einen soll das Geld durch Spenden zusammenkommen. „Wir gehen beim Sammeln von innen nach außen vor“, sagt Frank. Zuerst hat man die Mieter und Eigentümer der Häuser an der Knorrstraße informiert. Als Nächstes will man sich an die umliegenden Betriebe und Geschäfte wenden. Auf finanzkräftige Unternehmen als Sponsoren oder bekannte Persönlichkeiten als Maskottchen setzt man allerdings nicht, denn Frank und seine Vereinskollegen wollen die Geldgeber „emotional“ an das Projekt binden. „Wir haben lieber viele kleine Spender, die auf den Weiterbestand des Tors achten, als einen großen Geldgeber, der den Erfolg für sich einheimst und dann nie wieder gesehen wird“, so Frank.

Um ihr Anliegen auch über die Grenzen des Kiezes hinaus bekannt zu machen, setzen Frank und seine Vereinskollegen auf Aktionen. So kann man derzeit in der Bar „Hops & Barley“ in der Wühlischstraße Lose zur Rettung des Tores kaufen. Für einen Euro gibt es entweder eine Niete oder ein Freibier. Der Erlös kommt zu 100 Prozent dem Tor zugute. Abgesehen davon, dass bereits einDrittel der Lose vergriffen ist, kommt die Idee auch im Internet gut an. „Saufen für den Denkmalschutz sollte Schule machen“, fordert jemand in einem Architekturforum. Und Frank verspricht weitere Kooperationen: „Gemeinsam mit einem Friedrichshainer Saucenhersteller wollen wir eine Grillsauce kreieren“. Zwar ist man sich beim Geschmack noch nicht ganz einig, der Name steht aber bereits fest: „Knorrpromenadenmischung“ soll der Dip zur Rettung des Schmucktores heißen.

Einen Knackpunkt hat die Geschichte allerdings: Noch ist der Verein nicht rechtskräftig eingeschrieben, da die notarielle Überprüfung der Satzung fehlt. „Wir wollen das aber im Dezember erledigen“, sagt Frank. Erst dann kann die Spendensammlung so richtig beginnen. 2013 wird die Knorrpromenade 100 Jahre alt. Bis zum Geburtstag soll das Tor der Knorrpromenade gerettet sein.

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