Berlin : Stadtschloss: Bei Berlins Mitte "eine Menge mitzuschwätzen"

C. v. L.

Eberhard Diepgen hätte am liebsten folgendes verkündet: Auf dem Schloßplatz entsteht das Stadtschloss, zumindest in seinen wesentlichen Teilen! Eine entsprechende Entscheidung durfte und konnte der Regierende Bürgermeister gestern aber nicht vermelden. Denn erst einmal musste er mit Bundesverkehrs- und Bauminister Reinhard Klimmt den Startschuss für die internationale Expertenkommission "Historische Mitte Berlin" geben, die über die Zukunft des Schloßplatzes beraten und im nächsten Jahr dem Land und dem Bund ihren Vorschlag unterbreiten soll.

Diepgen machte auch klar, dass er die bauliche Gestaltung, die Frage nach der Nutzung und dem öffentlichen Anteil an den Bauten primär als Berliner Angelegenheit betrachtet. Die Mehrheit der Bevölkerung, so Diepgen, habe ohnehin längst entschieden. An den Zuständigkeiten ändere auch die von Bund und Land Berlin eingesetzte Expertenkommission nichts, deren Vorschlag nicht automatisch umgesetzt werden müsse. Der Regierende Bürgermeister zitierte Bundeskanzler Gerhard Schröder, der "da lieber ein Schloss hätte". Und berief sich auf den bekannten Architekten Philip Johnson, der den Schloss-Aufbau als "furchbar wichtig für die Geschichte Berlins" bezeichnet hatte.

Der Bundesbauminister wirkte neben dem schloss- und selbstbewussten Diepgen fast eingeschüchtert und kleinlaut. Man müsse ein dauerhafte Lösung für den städtebaulich wichtigsten Teil der Bundeshauptstadt finden; sie könne aus einem Schloss bestehen, aber auch moderne Elemente aufnehmen oder völlig modern sein. Er erwarte, dass die Expertenkommission eine öffentliche Diskussion in Gang setze und neue Ansätze für ein tragfähiges Nutzungskonzept und eine überzeugende Gestaltung finde. Zu Diepgens Auffassung, für den Schloßplatz sei primär Berlin zuständig, sagte Klimmt auf Nachfrage lediglich: "Der Grundstückseigentümer hat eine Menge mitzuschwätzen". Der Schloßplatz gehört nämlich Bund und Land gemeinsam, beide wollen ihre Grundstücke langfristig und nahezu gratis im Erbbaurecht vergeben und dafür von privaten Investoren einen Großteil öffentlicher Nutzung am Bau verlangen. Kulturelle Aufgaben im Zusammenhang mit der Museumsinsel, Bibliotheken, Universitätsbereiche, Repräsentationsräume auch gastronomische Angebote - dies und anderes wird von der 17-köpfigen Kommission unter Vorsitz des österreichischen EU-Parlamentariers Hannes Swoboda (SPÖ) erörtert werden, auch die Zukunft der Reste des Palastes der Republik. Diepgen sagte voraus, der Bau habe nach der Asbestbeseitigung ohnehin keine Zukunft, sei "im Kern nicht mehr erhalten".

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