Stadtschloss : Das große Lustwandeln

Mit dem Schlossbau könnte der Verkehr aus der historischen Mitte verschwinden. Fußgänger hätten Platz – in einem großen Garten.

Klaus Kurpjuweit
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Rings ums geplante Humboldtforum fallen jetzt die Entscheidungen. Auf der Schlossfreiheit soll das Einheitsdenkmal entstehen, und für den Neubau der Rathausbrücke sollen am 10. März die Aufträge erteilt werden. Offen ist dagegen weiter, was zwischen dem wieder aufgebauten Schloss und dem Lustgarten passieren soll: Bleibt hier die Karl-Liebknecht-Straße mit dem Autoverkehr oder wird der Lustgarten bis fast vor die Schlossfassade erweitert?

Für den großen Lustgarten haben sich unter anderem Kulturstaatssekretär André Schmitz, Schloss-Propagandist Wilhelm von Boddien und auch der ADAC begeistert. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) will dagegen die Straße behalten.

Die Straße gibt in dieser Form seit etwa 40 Jahren

In ihrer heutigen Form ist sie erst in den sechziger Jahren entstanden; weniger für den Autoverkehr, der in der DDR eher spärlich war und mehr zur Repräsentation. Aber auch vorher gab es hier lange keine Straße. Erst 1887 wurde zwischen Schloss und Lustgarten mit dem Bau der heutigen Karl-Liebknecht-Brücke, damals Kaiser-Wilhelm-Brücke, eine großzügige, durchgehende Verbindung zwischen dem Brandenburger Tor und dem Alexanderplatz geschaffen. Vorher gab es hier nur einen riesigen Platz, größer als die heutige Straßenflucht. Um Flächen für die neue Straße zu schaffen, wurde sogar ein Teil des Apothekenflügels des Schlosses abgerissen.

Der Verkehr wurde ums Schloss herumgeführt – von den Linden kommend zwischen dem Eosanderportal des Schlosses und dem Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal hindurch und dann weiter über die Rathausbrücke, die damals Kurfürstenbrücke hieß, am Rathaus vorbei Richtung Alexanderplatz.


Schadenersatzansprüche vermeiden

So ähnlich sollen die Autos auch wieder fahren, falls der Lustgarten erweitert und die Karl-Liebknecht-Straße deshalb vor dem Schloss-Bau unterbrochen wird. Nach dem ADAC-Konzept sind hierfür zwei Spuren pro Richtung vorgesehen. Der Verkehr von Osten würde dabei auf der Trasse der alten Burgstraße rollen, Richtung Alex ginge es nach dem Überqueren der Spree auf der Rathausstraße bis zur Spandauer Straße weiter.

Einen Engpass gäbe es aber an der Rathausbrücke. Sie soll nach den Plänen der Stadtentwicklungsverwaltung als moderner Bau nur einspurig je Richtung neu gebaut werden – aber mit einer Tragfähigkeit von 60 Tonnen. Initiativen hatten sich vergeblich für einen Neubau im historischen Stil eingesetzt. Einen Stopp der Planungen lehnt die Verwaltung ab, weil es nach der erfolgten Ausschreibung für den Neubau Schadenersatzansprüche der Baufirmen geben könnte, die sich um den Auftrag beworben haben.

Ohne den Autoverkehr entstünde eine optische Verbindung zwischen Humboldtforum und Museumsinsel, argumentiert Schmitz, der vorschlug, alle Möglichkeiten zu prüfen. Einen Konflikt mit den Plänen der Stadtentwicklungsverwaltung sieht er nicht. Prüfen solle man auch die Idee des ADAC, einen Tunnel zu bauen, der westlich des Brandenburger Tors beginnen und etwa an der Marienkirche enden würde. Dem steht jedoch, wie berichtet, die vorhandene Nord-Süd-S-Bahn und die geplante und zum Teil auch bereits gebaute U-Bahn-Linie 5 im Weg. Ob der Tunnel möglich wäre, müsse eine Machbarkeitsstudie klären, sagte dazu ADAC-Sprecher Michael Pfalzgraf. Diese Studie fehlt auch noch für die Erweiterung des Lustgartens.

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