Berlin : Stadtschloss: Debatte um die Bebauung des Schlossplatzes

Christian van Lessen

Die Kultur macht auf dem Schlossplatz das Rennen - wenn es nach der Schlossplatz-Kommission geht, die am Mittwoch zum ersten öffentlichen Hearing geladen hatte. Und es gab eine überraschende Ankündigung: Die Chancen für einen detailgetreuen Wiederaufbau des Schlosses sind für die Kommission gleich null.

Zum Thema Hintergrund: Der Streit um den Schlossplatz Bis zum Jahresende will das Expertengremium "Historische Mitte Berlin" dem Bund und dem Land Empfehlungen geben, wie mit dem Platz umzugehen ist. Museen, Bibliotheken, eventuell auch Hochschuleinrichtungen sind gut im Rennen. Die Schlosshülle dagegen ist fraglich. Der Vorsitzende der Kommission, Hannes Swoboda, machte deutlich, dass man sich nicht für einen originalgetreuen Wiederaufbau des Stadtschlosses einsetzen wird. Jeder müsse damit rechnen, dass keine Schloss-Replik im Maßstab eins zu eins enstehen werde, sondern ein "neues, faszinierendes Bauwerk, selbst wenn wesentliche Teile dem alten Schloss entsprechen". Die Schlossbefürworter müssten sich überlegen, wieweit sie an ihrer Konzeption festhalten könnten.

Diskutiert wurden am Mittwoch im Roten Rathaus vor allem kulturelle Nutzungsmöglichkeiten für den Schlossplatz; der Kommissionsvorsitzende Hannes Swoboda erkannte bei vielen der zum Hearing geladenen Interessengruppen "eine große Offenheit für architektonische Formen". Im Mittelpunkt standen Überlegungen, den Schlossplatz für Kunst, Wissenschaft und Literatur zu öffnen. Swoboda wies darauf hin, dass die Besucherzahlen für Museen überall in der Welt rapide steigen, so dass hier keinesfalls ein "elitäres Konzept" verfolgt werde. Bei keiner der bisher diskutierten kulturellen Nutzungen sei es "zwingend, dass es ein Schloss sein muss oder keines sein darf". Klaus-Peter Schuster, der Generaldirektor der Staatlichen Museen, beeindruckte die Expertenkommission, der unter andem auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse angehörte, besonders. Schusters flammenden Vortrag für eine Verlagerung der nichteuropäischen Sammlungen von Dahlem auf den Schlossplatz ließ das Gremium der Sachverständigen verstummen, es gab keine Nachfragen. Der Generaldirektor sprach von einer "kulturpolitischen Idee von internationaler Dimension", vom kostbarsten Platz der Bundesrepublik, aus dem die zivilisatorische Macht der Museen eine Stätte des globalen Kulturaustausches machen könne. Zur Gestaltung sagte Schuster: "Auf jeden Fall scheint ein Gebäude in historischer Kontur nicht unangebracht". Die Museen beanspruchten nicht mehr als ein Drittel des Bauvolumens. Von der Humboldt-Uni kamen Vorschläge, naturwissenschaftliche Sammlungen auszustellen große öffentliche Vorlesungen anzubieten. Claudia Lux von der Zentralen Landesbibliothek Berlin betonte, eine Ansiedlung bringe Leben auf den Schlossplatz, bis zu 10 000 Besucher könnten täglich kommmen.

Wilhelm von Boddien vom Fördererein Berliner Stadtschloss stellte ein Konzept für Museen, die Landesbibliothek, ein Bundeskonferenzzentrum und Gastronomie vor.

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