Berlin : Stadtschloß: Großartige Lösung statt fauler Kompromisse

Christian van Lessen

Beim Blick aus den hohen Fenstern des einstigen Staatsratsgebäudes und heutigen Bundeskanzleramtes sah Kurt Bodewig durch das eingebaute Schlossportal auf den Platz und sprach von "dringendem Handlungsbedarf". Und Hannes Swoboda, der Vorsitzende der am Freitag erstmals zusammengekommenen Expertenkommission "Historische Mitte", versprach bis Ende des Jahres eine "klare Empfehlung" an den Bund und das Land Berlin, wie mit dem Schlossplatz und seiner Umgebung umzugehen ist. Entscheiden müsse letztlich die Politik.

Swoboda, österreichischer Europaabgeordneter und viele Jahre lang Stadtrat für Stadtentwicklung in Wien, betonte, die internationale Expertenkommission wolle "keine faulen Kompromisse" eingehen, sondern eine "großartige Lösung" anbieten. Das Gremium werde auch kein Geheimzirkel sein, sondern über seine Beratungen informieren. So ist vorgesehen, im Rahmen eines Hearings im April Bürgerinitativen, Interessensverbänden oder auch Vereinen die Möglichkeit zu geben, ihre Vorstellungen zur Entwicklung des Areals der Kommission mitzuteilen. In der zweiten Jahreshälfte will das Gremium dem Bundeskabinett und dem Senat einen Zwischenbericht vorlegen.

Der Kommissionsvorsitzende sagte, das Gremium werde bei seinen Beratungen Prioritäten setzen: So solle es zunächst um den Stadtraum und seine Struktur gehen, dann um die Nutzungen, die Finanzierung und letztlich um die Architektur. Vieles spreche dafür, einen Teil des Schlosses aufzubauen. Auch die Übersiedlung von Dahlemer Museen sollte erörtert werden. Um die Lebendigkeit des Schlossplatzes und seiner näheren Umgebung zu gewährleisten, müssten weitere Nutzungen gefunden werden. Swoboda sagte, die Kommission werde völlig frei agieren. Für die Überlegungen, was auf dem Schlossplatz innerhalb der nächsten zehn Jahre gebaut werden solle, gebe es keinerlei Kostenrahmen, aber es sei auch Aufgabe des Gremiums, alle Vorschläge auf ihre finanzielle Machbarkeit zu überprüfen, auch Empfehlungen für einen späteren Projektwettbewerb zu geben. Es sei unvermeidlich, dass der Großteil der Mittel öffentlich finanziert werden müsse. "Auf mehrere Jahre streckt sich manches leichter".

Der Bundesminister erinnerte daran, dass der Bund das Grundstück einbringt und im Rahmen des Erbbaurechts vergeben will. Er erwarte eine privat-öffentliche Partnerschaft. Man werde die Empfehlungen der Kommission prüfen, für einen späteren Bau wolle man sich "zeitlich nicht festlegen".

Stadtentwicklungssenator Peter Strieder sagte bei der Gelegenheit, auf dem Schlossplatz müsse der "Spagat zwischen Stadt- und Staatsmitte" gelingen.

Der mit 17 Fachleuten aus den Bereichen Architektur, Städtebau, Denkmalplege und Wirtschaft besetzten Kommisison steht ein Moderatorenkreis zur Seite, dem die Bundestagspräsident Wolfgang Thierse, Abgeordnetenhauspräsident Reinhard Führer, die Minister Kurt Bodewig und Julian Nida-Rümelin sowie die Senatoren Peter Strieder und Christoph Stölzl angehören.

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