Stadtschloss : Senat übernimmt Planung

Der Bezirk Mitte muss das Genehmigungsverfahren für Humboldt-Forum abgeben. Der Stiftungschef Manfred Rettig will im Herbst den Bauantrag stellen.

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Treffpunkt Schlüterhof. Nur drei der vier Fassaden der beiden „Innenhöfe“ des Schlosses sind ihrem historischen Vorbild nachempfunden – die vierte (links im Bild) wird modernistisch gestaltet. Die Pläne stammen von Franco Stella, der die Uffizien in Florenz als Vorbild für den hier abgebildeten Schlüterhof nennt. Foto: Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum/Franco Stella
Treffpunkt Schlüterhof. Nur drei der vier Fassaden der beiden „Innenhöfe“ des Schlosses sind ihrem historischen Vorbild...Foto: Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum/Franco Stella

Der Senat wird über die Baugenehmigung für das Berliner Stadtschloss entscheiden – und nicht der Bezirk Mitte. Dies bestätigten die „Stiftung Berliner Schloss-Humboldtforum“ sowie die zuständigen Bauverwaltungen dem Tagesspiegel. Dass nun Berlin selbst die Oberaufsicht über das 552 Millionen Euro große Projekt übernimmt, ist keinem Streit zwischen Land und Bezirk geschuldet. Mitte ist vielmehr das erste Opfer einer Gesetzesnovelle, durch die der Senat die Kompetenz der bezirklichen Baubehörden massiv beschnitten hatte – das Land ist seither für die Bauprojekte aller Stiftungen zuständig.

Den Zeitplan für die Realisierung des Schlosses gefährdet die Verlagerung der Kompetenzen nicht. Stiftungschef Manfred Rettig, ohnehin als Pragmatiker bekannt, nimmt es gelassen: „Das muss Berlin entscheiden“, sagte er auf Anfrage. Die ersten Gespräche mit der nun zuständigen Abteilung Städtebau und Projekte bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung seien „sehr positiv verlaufen“. Zuvor hatte der Stiftungschef seine Pläne mit dem Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe, abgestimmt. Die frühzeitige Präsentation des Vorhabens ist für Rettig deshalb so wichtig, weil er mögliche Streitpunkte bereits ausräumen will, bevor er im Herbst die Baugenehmigung einreicht. Deren Genehmigung dürfte dann zu einer bloßen Formalie werden.

Deshalb stellt die Stiftung außerdem ihre „fertige Entwurfsplanung“ bereits am kommenden Mittwoch in einer öffentlichen Veranstaltung im Kronprinzenpalais vor, um auch die „Anregungen und Bedenken“ der Berliner zu berücksichtigen. Die Auseinandersetzungen mit der Senatsbaudirektorin über die Aussetzung des Wettbewerbs für die Gestaltung des Freiraums rund um die Hohenzollernrekonstruktion ist Rettig zufolge beigelegt: „Frau Lüscher hat uns versichert, dass die Vorbereitungen für den Wettbewerb laufen“, sagte er. Und die größte offene Frage in der bisherigen Planung, auf welcher Höhe der Uferweg an der Ostseite des Stadtschlosses verlaufen wird, soll ein Gutachten klären. Dessen Ergebnisse würden noch im Juni vorgelegt.

Wie berichtet, wird das Humboldt-Forum drei Außenfassaden erhalten, die präzise das Hohenzollernschloss in seiner ursprünglichen Form nachbilden, sowie eine moderne Außenhaut an der Ostflanke des Bauwerkes. Weniger bekannt ist bisher, dass sich auch im Inneren des Humboldt-Forum modernistische und historisierende Fronten gegenüberstehen werden. Modernistisch werden zum Beispiel die Ostfassaden des berühmten Schlüterhofes sowie der Agora gestaltet. Beide Höfe liegen an dem Verbindungsgang, der den historisierenden Neubau vom Lustgarten bis zur Breiten Straße durchquert.

Wie bei dem Vorbild werden auch die historisierenden Fassaden mit 3000 Bildhauerstücke geschmückt: Löwen, Widder und Adler, Kartuschen, Kapitelle und Kämpfer. Die gute Nachricht ist: Fast alle Gipsmodelle, die im Auftrag von Wilhelm von Boddiens Initiative für den Wiederaufbau des Schlosses angefertigt wurden, erfüllen die hohen Erwartungen von Rettigs „Schlossbauhütten-Kommission“. Nur einige Stücke müssen überarbeitet werden und ganz wenige wurden ganz verworfen. Boddien hatte bereits bei der Entwicklung der Skulpturen mit Wissenschaftlern des Bode-Museums zusammengearbeitet. Dies habe sich ausgezahlt, sagte Rettig. Kompromisse sei die Stiftung nicht eingegangen: Ein mit internationalen Wissenschaftlern besetztes Gremium hatte die Standards gesetzt für die bildhauerischen Arbeiten. „Wir wollen ausschließen, dass die Qualität des Bauwerks diesem Ort nicht angemessen sein könnte“, sagte Rettig.

Sind aber auch die Kosten des Großprojektes beherrschbar? „Wir liegen im Rahmen“, versicherte Rettig. Und das sind „552 Millionen Euro Bauindexstand 2/2007“. Soll heißen: Der Endpreis wird höher liegen, weil die Baukosten steigen, genauso wie die Lebenshaltungskosten.

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