Berlin : Stadtschloss: SPD-Vizechef Borghorst will die Residenz Friedrich I. wiederaufbauen

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der stellvertretende SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Hermann Borghorst hat die eigene Partei aufgefordert, "sich endlich politisch klar zum Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses zu bekennen." Der Schlossplatz sei Teil einer einzigartigen Gestaltung der historischen Stadtmitte. Das Schloss gehöre "historisch zur Identität der Stadt". In Paris käme niemand auf die Idee, ein Schloss als Symbol des Absolutismus zu verteufeln, schrieb Borghost in einem innerparteilichen Thesenpapier.

Für die Nutzung und Finanzierung des Stadtschlosses schlug der SPD-Politiker eine Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und privaten Investoren vor. Eine Bürgerstiftung und ein Engagement der Öffentlichkeit - wie für den Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche - solle den Wiederaufbau fördern. SPD-Landeschef Peter Strieder reagierte gestern kühl auf den Vorstoß des Parteifreundes Borghorst. "Ich glaube nicht, dass das Stadtschloss bei der Neuorientierung der SPD im Vordergrund steht." Die Idee des Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Klaus-Dieter Lehmann, auf dem Schloßplatz in Mitte das Völkerkundemuseum zu etablieren, wurde von Strieder begrüßt, aber: "Ohne Geld kein Museumsbau, in welcher Form auch immer." Er blieb damit der Linie der Berliner SPD treu, zum Stadtschloss keine eindeutige Aussage zu treffen. Im Wahlprogramm 1999 wurde lediglich "eine dem historischen Ort gerecht werdende Gestaltung des Schloßplatzes" vorgeschlagen. Und der SPD-Kreisverband Mitte forderte im vergangenen Jahr ein "Nutzungskonzept, das die unterschiedlichen Funktionen des Platzes integriert". Der Palast der Republik dürfe "nicht konzeptionslos abgerissen" werden.

Auch in der CDU/SPD-Koalitionsvereinbarung wird nur von einer "Bebauung in der historischen Kubatur des Stadtschlosses" gesprochen. Die CDU konnte sich mit ihrem Bekenntnis zum Wiederaufbau des Schlosses nicht durchsetzen. Es blieb dem Bundeskanzler und SPD-Parteichef Gerhard Schröder überlassen, im Februar 1999 in einem ZEIT-Interview Stellung zu beziehen. Schröder beschwerte sich über den Palast der Republik, der so monströs sei, "dass ich da lieber ein Schloss hätte."

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