Stadttouren für Film-Fans : Auf der Spur der Filme

Wahre Kinofreunde wollen ihrer Leidenschaft nicht nur im Dunkeln frönen, sondern auch Drehorte sehen. Spezielle Stadtführungen helfen hier weiter, teilweise direkt zugeschnitten auf die aktuelle Berlinale.

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Foto: Uwe Steinert

Der Tag, an dem „Coming Out“ im Kino International in der Karl-Marx-Allee uraufgeführt wurde, war ein ganz besonderer. Nicht nur, weil es der erste Defa-Film war, der sich offen mit Homosexualität und latentem Fremdenhass auseinandersetzte. Sondern auch, weil dieser Tag der 9. November 1989 war und das Premierenpublikum der Doppelvorstellung beim Verlassen des Kinos einem historischen Moment beiwohnte: dem Fall der Mauer. Die ausgelassene Premierenparty fand anschließend an einem der Drehorte statt, der heute nicht mehr existierenden Bar „Zum Burgfrieden“ in der Wichertstraße– nicht weit entfernt vom Grenzübergang Bornholmer Straße, der in dieser Nacht als erster Übergang geöffnet wurde. So wurde mit Heiner Carows „Coming Out“ die letzte Filmpremiere der alten DDR gefeiert.

Das Werk ist einer von zwölf Filmen, die der Medienwissenschaftler Torsten Flüh auf seiner „Queer Movie Tour“ ab Sonnabend während der Berlinale täglich vorstellt. „Ich möchte nicht nur über schwul-lesbische Filme in Berlin informieren, sondern auch über die Ost-West-Geschichte der Stadt“, sagt der 49-Jährige, der seit zehn Jahren in Wedding wohnt. Die Stadtführung findet in Kooperation mit dem 25. Teddy Award, dem schwul-lesbischen Filmpreis der Berlinale, statt und richtet sich an alle Interessierten sowie Mitglieder der Filmcrews aus dem Teddy-Wettbewerb.

Zu Fuß und mit der BVG auf den Spuren der Schwulenbewegung im Film

Die Tour bezieht den Bahnhof Friedrichstraße mit ein, wo 1985 einige geheime Aufnahmen zu Wieland Specks Film „Westler“ entstanden. Und sie führt unter anderem zu einem „Café Achteck“ als einem typischen früheren Treffpunkt der Berliner Schwulenszene und endet am Kino International. Auch an der Siegessäule geht es vorbei, sie gilt als das wichtigste Symbol der Berliner Schwulenbewegung und taucht in zahlreichen Filmen auf, unter anderem in Kutlug Atamans „Lola and Billy the Kid“ aus dem Jahr 1999.

Natürlich fehlen auf Flühs zweieinhalbstündiger Führung, die zu Fuß und mit der BVG absolviert wird, auch die Namen Lothar Lambert („1 Berlin Harlem“) und Rosa von Praunheim nicht. Im Juli 1971 wurde Praunheims Film „Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“ im Rahmen der Berlinale uraufgeführt, löste zahlreiche Diskussionen aus und gilt zusammen mit der Streichung des sogenannten Schwulenparagrafen 175 im Jahr 1969 als Anstoß für die moderne Lesben- und Schwulenbewegung. Einige Szenen von Praunheims Film spielen am Bahnhof Zoo, wo die Stadtführung startet und von dessen Stricherszene auch „Die Jungs vom Bahnhof Zoo“, der neue, auf der aktuellen Berlinale gezeigte Film des Regisseurs, handelt.

Es werden nicht nur Drehorte angefahren, sondern exklusives Filmmaterial präsentiert

Ein weiteres Special während der diesjährigen Filmfestspiele ist die Berlinale-Sondertour der „Filmstadt Berlin – Das rollende Kino“ am 20. Februar. Auf der Videobustour werden nicht nur rund 20 Berliner Drehorte angefahren und auf Monitoren im Bus Ausschnitte aus den entsprechenden Filmen gezeigt, sondern auch exklusives Filmmaterial des Films „Unknown“ präsentiert, der am 3. März in die Kinos kommt. Der Actionthriller mit Liam Neeson und Diane Kruger ist zu großen Teilen in Berlin gedreht, und die Teilnehmer lernen im Bus unter anderem Schauplätze dieses Films in der Friedrichstraße, an der Oberbaumbrücke und am Hotel Adlon kennen.

Die Berliner Lieblingsfilme des Organisators der Videobustouren, Arne Krasting, sind besonders Billy Wilders Klassiker „A Foreign Affair“ und „Eins, zwei, drei“, von denen einige Szenen auf dem Flughafen Tempelhof und am Brandenburger Tor spielen. So dürfen diese beiden Favoriten des 35-jährigen Historikers bei den regulären Bustouren wie auch bei der Berlinale-Sonderfahrt nicht fehlen. Außerdem führt die Tour unter anderem zum Gendarmenmarkt (der „In 80 Tagen um die Welt“ als London-Kulisse diente), zum Café Einstein in der Tiergartener Kurfürstenstraße („Inglourious Basterds“) und in die Friedrichshainer Wedekindstraße („Das Leben der Anderen“).

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