Berlin : Stadtumbau mit der Säge

Nicht nur in der Legien-Siedlung werden Bäume für den Denkmalschutz gefällt

Fatina Keilani

Unsere Stadt soll schöner werden, wohnlicher, liebenswerter – das wünscht sich die Politik.Was gut ist für den Zusammenhalt der Bürger, so wie Plätze und Parks, hat städtebaulich Vorrang. So steht es im Koalitionsvertrag. Der Stadtumbau ist im Gang, und dafür fallen auch Bäume, oftmals im Dienste des Denkmalschutzes. Zum Beispiel am Arnswalder Platz in Prenzlauer Berg. Mehr als 30 Bäume wurden dort Ende April umgelegt, damit der Platz denkmalgerecht umgebaut werden kann. Bis Jahresende soll dort ein Märchenspielplatz entstehen; außerdem will man 50 neue Bäume pflanzen. Auch der Volkspark Friedrichshain ist in den vergangenen Jahren saniert und zum Teil rekonstruiert worden. Der Denkmalschutz gilt auch als Argument für einen Streit um Baumfällungen in der „Wohnstadt Carl Legien“ in Prenzlauer Berg. Die Siedlung wurde vom Architekten Bruno Taut (1880 – 1938) entworfen, mit ihr will Berlin ins Weltkulturerbe der Unesco aufgenommen werden. Um die Siedlung in ihren ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen, sollen 170 der dortigen 500 Bäume gefällt werden, ebenfalls für den Denkmalschutz.

Dagegen hatten die Mieter protestiert, und sie fanden bei der neuen Stadtentwicklungssenatorin jetzt Gehör. Ingeborg Junge-Reyer (SPD) forderte die Gesellschaft Baubecon auf, erst einmal mit den Mietern zu reden und ihre Proteste ernst zu nehmen. Die waren vom Beginn der Sägearbeiten nämlich größtenteils überrascht worden. „Wir erwarten von der Baubecon Gesprächsbereitschaft, um gemeinsam mit den Mietern Wege zu finden, ohne Kahlschlag die Siedlung attraktiv zu gestalten“, sagte Runge-Reyer.

Die Umweltverwaltung hatte die Baumfäll-Aktion zunächst unterstützt. „Die Bäume, die dort jetzt gefällt werden, hätten niemals gepflanzt werden dürfen“, sagte Sprecherin Petra Rohland. Taut habe für seine 1930 fertig gestellte Anlage nur wenig Grün vorgesehen, er habe freie Sichtachsen gewollt. Derzeit ruhen die Arbeiten.

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