Städte-Charts von ING-Diba : Innovativer als Berlin ist keine Stadt

Berlin ist deutscher Meister: Start-ups, hochqualifizierte junge Menschen und High-Tech-Szene bringen Platz 1 bei der Innovations-Hitliste.

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Semperlux-Leuchten aus Berlin sparen 50 Prozent Strom - und bringen die Stadt im Innovationsranking voran.Foto: pa/ZB

Das fröhliche „Dibadu“, dass die Ing-Diba-Bank zur Kundenwerbung auf der Mattscheibe trällern lässt, wäre nach früheren Branchen-Maßstäben eher unseriös, geht heute aber als lockere Adressierung der jüngeren Generation schon mal als „innovativ“ durch. Dazu passt, dass das Geldhaus mit Hauptsitz in den Niederlanden jetzt auch die deutschen Städte auf einem „Innovationsindex“ vermessen hat. Und da steht – Achtung: Neuerung – Berlin an allererster Stelle.

Gut, dass Bayern und nicht München mit Berlin konkurriert

Den deutschlandweiten Spitzenplatz verdanken wir den „besonders vielen jungen Leuten, dem überdurchschnittlichen Ausbildungsniveau, der höchsten Beschäftigungsquote im Hochtechnologiesektor sowie einer starken Gründerszene“. Das ist nichts ganz Neues, verhalf Berlin in anderen Städte-Hitparaden allenfalls zu mittleren Rängen, zumal die Zahl der Patentanmeldungen in Bayern und Franken deutlich höher ist – und gut ein Drittel von Berlins Bevölkerung ist wirtschaftlich abgehängt.

Das sind die Merkmale von innovativen Städten

Die Forscher räumen auch ein, dass die Stadtstaaten im Ranking den Flächenstaaten mit den weniger innovativen, aber gut bestellten Ackern und Feldern auf dem flachen Land notgedrungen bevorteilt sind – deshalb muss sich Berlin nicht an München messen. Die hier herangezogenen Kategorien sind: Anteil der 15- bis unter 50-jährigen, der Beschäftigten im Dienstleistungssektor, der Selbständigen, der Patentanmeldungen je 100.000 Einwohner, der Start-Ups, der Beschäftigten im Hochtechnologiesektor, der Internetanschlüsse in Haushalten und der Firmen-Gründungen gegenüber -Schließungen.

Deutschland dagegen nur im Mittelfeld im europäischen Vergleich

Übrigens: Auch die Länder in Europa haben die Forscher der Bank miteinander verglichen. Und auch dort gab es eine Überraschung: Deutschland liegt nur im Mittelfeld - hinter Malta und knapp vor Zypern! Den Spitzenrang belegt Irland, der in der Finanzkrise kurz vor der Staatspleite stehende Land. Weitere Spitzenplätze belegen Finland, Luxemburg, Niederlande - und Slowenien. Die Forscher erklären das schlechte Abschneiden Deutschlands einerseits damit, dass aufgrund der Erhebung "bevölkerungsstarke Länder benachteiligt" würden.

Das Land altert und der High-Tech-Sektor ist ausbaufähig

Außerdem müsse Deutschland noch aufholen bei der "demographischen Struktur", die Alterung ist hier stärker fortgeschritten, der High-Tech-Sektor sei ausbaufähig ebenso wie die Anzahl der Beschäftigten im Dienstleistungsbereich. Wie sich Deutschland trotz der vermeintlich schlechten Innovationsfähigkeit seit Jahren unter den drei Ländern mit der höchsten Außenhandelsbilanz platzieren kann, erläutern die Autoren der Studie allerdings nicht.

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