Berlin : Städtebuch Brandenburg und Berlin: Stadt, Land, Fluss

Helmut Caspar

Was geschichtsinteressierte Zeitgenossen schon immer über ihre Stadt wissen wollten, finden sie in einer ungewöhnlichen Chronik: dem schon vor Jahrzehnten begründeten, jetzt neu bearbeiteten Deutschen Städtebuch. Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit erschien unlängst eine umfangreiche Dokumentation über Brandenburg und Berlin. Zwischen Altlandsberg und Zossen erfasst der Band rund 120 Städte in Brandenburg. Hinzu kommt im letzten Teil Berlin, dessen wechselvolle Entwicklung sehr konzentriert auf 64 Seiten geschildert wird.

Das Buch bietet wichtige Daten und Fakten über Namen, Besiedlung und Geschichte der Städte. Hinzu kommen Gemeinden, die ihre Eigenschaft als Stadt im Laufe der Zeit verloren haben. Der Band spürt Handwerk und Industrie nach, listet Brände und Belagerungen auf, nennt berühmte Bewohner und markante Bauwerke. Informiert wird ferner über Zahl und Herkunft der Einwohner, Verwaltung, konfessionelle

Struktur, Kranken- und Wohlfahrtspflege sowie Schulen und wissenschaftliche Einrichtungen. Unter "Sprache, Bräuche, Vereine" werden Mundarten wie auch Volksfeste aufgelistet, so die Rosentage in Buckow, das Schifferfest in Fürstenberg an der Havel oder die Parkfestspiele in Potsdam. Berlin allerdings scheint hier abstinent zu sein: Nicht einmal die Love Parade wird erwähnt.

Erinnert wird daran, wie oft Städte abgebrannt sind und welcher Mühen es bedurfte, sie wieder aufzubauen. Neuruppin wurde 1787 fast vollständig vernichtet und nach einem genialen Plan im Stil des frühen Klassizismus neu geschaffen, so dass uns heute die Stadt mit ihren schnurgerade wie auf dem Kasernenhof ausgerichteten Häuserzeilen und einheitlichem Fassadendekor als die "preußischste" aller märkischen Städte begegnet. Potsdam hingegen verlor seine ursprüngliche mittelalterliche Bebauung schon vor 300 Jahren durch das Bestreben der Hohenzollern, ihre Residenz mit römischen Palästen und südländischen Villen zu schmücken. Frankfurt (Oder) büßte Ende des Zweiten Weltkriegs seinen reichen Baubestand ein, von wenigen Kirchen, dem Rathaus und einigen Bürgerhäusern abgesehen. Kleine Städte wie Altlandsberg, das sieben Mal abbrannte, oder Oranienburg, das neben mehrfachen Stadtbränden im Zweiten Weltkrieg immer wieder bombardiert wurde, konnten immerhin einen Teil ihrer historischen Bebauung in die heutige Zeit retten.

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