Berlin : „Städter glauben sich geschützt gegen alles“

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Warum ignorieren Großstädter oft die Sturmwarnungen?

Städter fühlen sich wie in einer Burg und glauben sich geschützt gegen alles. Sie verbringen die meiste Zeit in Häusern oder im Auto, wo sie vor den Einflüssen des Wetters geschützt sind. Dadurch ist ihr Bezug zur Natur vollkommen verloren gegangen.

Wie ist das für die Leute auf dem Land?

Ihre Arbeit und ihre Ernte hängen vom Wetter ab. Deshalb achten sie anders auf die Zeichen der Natur. Nur für die Städter gilt Regenwetter als schlechtes Wetter. Der Landwirt orientiert sich am Wachstum der Pflanzen und nicht an der Frage, ob er mal nass wird.

Gab es diese unterschiedlichen Wahrnehmungen schon immer?

Früher war das nicht so ausgeprägt. Damals betraf ein Ernteausfall die Städter genau wie die Landbevölkerung. Wenn unsere Bauern heute eine schlechte Ernte haben, dann kriegen wir unser Getreide genauso gut aus Kanada oder Argentinien.

Wie reagiert ein Bauer auf Sturmwarnung?

Er wird ins Haus gehen und hat vermutlich vorher die Tiere reingeholt, weil er schon Stunden vorher intensiv die Anzeichen fürs Herannahen des Sturms beobachtet hat.

Welche Bauernregeln sollten sich auch die Städter hinter die Ohren schreiben?

„Wenn Schäfchenwolken am Himmel stehen, kannst du ohne Schirm spazieren gehen.“ Das galt im Mittelalter wie heute, denn Schäfchenwolken können nicht mächtig werden. Oder: „Ostwind bringt Heuwetter, Westwind Krautwetter, Südwind Hagelwetter und Nordwind Hundewetter.“ An unserem Orkantag hatten wir zuerst Südwind, der den Sturm angekündigt hat. Dann kam Nordwind mit Hundewetter. Das ist die Abkühlung, die dann gekommen ist.

Wie merkt man, woher der Wind kommt?

Man kann beobachten, in welche Richtung sich die Ästchen an den Bäumen bewegen. Außerdem gilt: „Ist die Sonne von einem Ring umgeben, sei ganz sicher, es gibt bald Regen.“ Da sieht man eine ganz dünne Eiskristallschicht in sechs bis zehn Kilometern Höhe wie einen schwachen regenbogenfarbenen Ring um die Sonne. Die Eiskristalle zeigen das herannahende Tiefdruckgebiet an.

Das Gespräch führte Claudia Keller.

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