Standort Berlin : Stadtduell um Bahn-Zentrale

Nach einem Gepräch mit Bahn-Chef Mehdorn zeigt sich Stadtentwicklungs- senatorin Junge-Reyer (SPD) optimistisch. Der geplante Umzug des Bahn-Hauptquartiers nach Hamburg sei noch nicht endgültig entschieden.

Berlin - Nach Einschätzung der Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) ist der Umzug des Konzerns nach Hamburg noch nicht endgültig entschieden. Das sagte eine Sprecherin von Junge-Reyer am Montag nach einem Treffen der Senatorin mit Bahn-Chef Hartmut Mehdorn. Das zweistündige Gespräch sei in guter Atmosphäre verlaufen. Junge-Reyer habe die Position Berlins zu dem von Mehdorn geplanten Umzug klar gemacht. Definitive Ergebnisse habe es jedoch nicht gegeben. Der Gesprächstermin war schon vor längerer Zeit zum Thema «neue Bahnhöfe in Berlin» vereinbart worden.

Die Bundesregierung muss sich in der Auseinandersetzung über eine mögliche Verlegung des Konzernsitzes der Deutschen Bahn von Berlin nach Hamburg erst informieren. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) habe Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) beauftragt, dem Bundeskabinett an diesem Dienstag einen Bericht vorzulegen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Montag. Bahnchef Hartmut Mehdorn wurde von Tiefensee noch für diesen Montagnachmittag zu einem Informationsgespräch gebeten.

In dem Bericht des Verkehrsministers solle klar werden, «welche Standortabsichten die Bahn tatsächlich verfolgt». Wilhelm teilte mit, es habe am Vortag ein Telefonat mit Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) gegeben. Ein mögliches Gespräch mit Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust bestätigte er dagegen nicht. Dieser hatte am Freitag erklärt, Merkel sei informiert.

Tiefensee hat über die Pläne Mehdorns erst Mitte der vergangenen Woche erstmals erfahren, berichtete Ministeriumssprecher Dirk Inger. Wilhelm lehnte Antworten auf weitere Fragen wie zu den Einfluss- Möglichkeiten der Bundesregierung auf die Standortentscheidung oder zu denkbaren Präferenzen der Bundeskanzlerin für den Konzernsitz der Bahn vor der Kabinettssitzung ab. Alles weitere sei davon abhängig, wie Tiefensees Bericht ausfalle.

Die Umzugs-Ankündigung Mehdorns hatte am Freitag für viel Unruhe in der Hauptstadt gesorgt. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte Mehdorn am Samstag ungewöhnlich scharf kritisiert. Nach einem Bericht der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» vom Montag hat Hamburg den Umzug der Bahn- Konzernzentrale in die Hansestadt zur Bedingung für den Bahn-Einstieg bei der landeseigenen Hafen- und Logistikgesellschaft und der Hochbahn gemacht.

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) rief seinen Berliner Amtskollegen daraufhin zur Fairness auf. Er sagte dem «Hamburger Abendblatt» (Montag): «Ich rate da zur Mäßigung. Hamburg ist auch nicht Amok gelaufen, als der HEW-Eigner Vattenfall mit seiner Zentrale nach Berlin ging und als uns Berlin Universal abgezogen hat. Im Gegenteil: Hamburg hat sich da ausgesprochen fair verhalten, und ich denke, das können wir auch erwarten.» (tso/dpa)

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