• Standort des Gasspeichers wird jetzt in Frage gestellt Wie sicher ist die gigantische unterirdische Anlage?

Berlin : Standort des Gasspeichers wird jetzt in Frage gestellt Wie sicher ist die gigantische unterirdische Anlage?

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Eine Explosion, eine 30 Meter hohe Stichflamme mitten im Stadtgebiet – bis gestern galt ein solches Szenario für den Erdgasspeicher unter Spandau und Charlottenburg bei den Sicherheitsexperten als fast unmöglich. Die Detonation erschütterte jetzt auch das Vertrauen diverser Politiker. „Nach diesem Unfall muss grundsätzlich geprüft werden, ob der Standort geeignet ist“, sagt Felicitas Kubala, umweltpolitische Sprecherin der Grünen. Auch ihr SPDKollege Daniel Buchholz fordert Konsequenzen: „Ein derartiger Unfall darf eigentlich nicht passieren.“

„Der Speicher läuft seit über zehn Jahren in sicherem Betrieb“, sagt Gasag-Sprecher Klaus Haschker. Sicherheitsexperten könnten garantieren, dass auch bei zukünftigen Zwischenfällen „ausschließlich das Betriebsgelände“ von den Schäden betroffen werde. So sicher war man sich, dass die Feuerwehr für ein solches Unglück kein Konzept hatte – die Experten gingen davon aus, dass die Absperrschieber, die die Rohre automatisch verschließen sollen, immer funktionieren. Doch gestern schlossen sie nur teilweise – Gas strömte unter hohem Druck aus. Per Hand konnten die Schieber auch nicht geschlossen werden, weil durch die Hitze und die Zerstörungen der Zugang kaum möglich war.

Dass der Erdspeicher damals für 300 Millionen Mark im Stadtgebiet gebaut wurde, hängt mit der jahrzehntelangen Insellage West-Berlins zusammen. Die Planung des Speichers geht noch in die Zeit des Kalten Krieges zurück, als die Versorgung des Westteils der Stadt auch im Fall einer erneuten Blockade sichergestellt werden sollte. Der Bau der gigantischen Anlage erfolgte 1985 bis 1992. Die Gasag füllt den Speicher im Sommer, wenn der Gas-Preis niedrig ist. Verbraucht wird es dann im Winter, durch unterirdische Gasleitungen werden Tankstellen und Haushalte versorgt. Für einen Umzug nach Brandenburg fehlte nach dem Mauerfall das Geld. Der Bau der Anlage galt als besonders problematisch, deshalb entstand der Speicher auf besonders engem Raum in einem dünn besiedelten Landschaftsschutz- und Wasserschutzgebiet. „Solche Dinger gehören nicht in Wohngebiete", sagt Andrea Rahmel. Jahrelang hat die Charlottenburgerin mit vier anderen Anwohnern gerichtlich gegen den Gasspeicher gekämpft – vergeblich. Der Unfall hat ihre Meinung bestätigt.

Da war es nur ein Randproblem, dass rund 100 Wohnungen in Spandau nach der Explosion bis zum Abend ohne Wasser auskommen mussten; in anderen Haushalten kam nur bräunliches Wasser aus dem Hahn. Ein Wasserrohr war zwischen Gatower Straße und Enger Steig geplatzt, „weil wir den Wasserdruck im Rohr für die Löscharbeiten der Feuerwehr erhöht haben", sagte der Sprecher der Wasserbetriebe, Eike Krüger.

Der Speicher ist ein so genannter Porenspeicher. In porösem Buntsandstein kann in einer Tiefe von 760 bis 860 Metern zwischen Pichelswerder-, Glockenturmstraße und Postfenn die gigantische Menge von bis zu 700 Millionen Kubikmetern Erdgas deponiert werden. Eine bis zu 200 Meter starke Deckschicht besteht aus Tonstein und Salz. Sie ist undurchlässig und verhindert ein Entweichen des Gases, das über Pipelines aus Norwegen, Russland und dem westeuropäischen Verbundnetz nach Berlin gelangt.

Das Unglück geschah offenbar bei Reinigungsarbeiten eines so genannten Sondenplatzes. Dabei werde über einen Spezialwagen eine Reinigungsflüssigkeit eingepumpt, durchlaufe das System und fließe in den Spezialwagen zurück, berichtete ein Fachmann. Gestern nun scheint sich Gas mit der Reinigungsflüssigkeit vermengt zu haben. Es explodierte wahrscheinlich, als die Flüssigkeit zurück in den Reinigungswagen floss.

Vor der Einbringung wird das Gas gefiltert und auf den notwendigen Druck verdichtet. Überwacht wird der Speicher von einer Warte an der Glockenturmstraße, die 26 Mitarbeiter steuern. kf, weso, Ha, du-

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