Berlin : Staps-Prozess: Angst vor dem Einzelgänger

Kerstin Gehrke

Der Zeuge saß aus Sicht von Olaf Jürgen Staps auf dem falschen Platz. "Sie haben mir die Wohnung geraubt", warf der angeklagte Drohbriefschreiber dem Mann vor und nannte ihn "Verbrecher". Doch der beschimpfte Hausverwalter blieb ruhig. Er kennt den 41-jährigen Angeklagten seit langem. Staps hatte über Monate hinweg erbittert gegen die Sanierung seiner Wohnung in der Grünberger Straße in Friedrichshain gekämpft. Und damit auch gegen den Hausverwalter. Ein Kampf, in dem Staps am Ende seine Wohnung anzündete und drei Monate später mit einem Angriff auf die Liebknecht-Luxemburg-Ehrung im Januar vergangenen Jahres drohte.

Während Staps die Aussage des Hausverwalters am Freitag vor dem Berliner Landgericht mit "Entmietungsterror" kommentierte, sprach der 52-jährige Pedro D. von einem rücksichtsvollen Umgang mit dem damals letzten Bewohner des Hauses. Mit "Engelsgeduld" sei auf dessen Wünsche eingegangen worden. "Wir haben ein Jahr lang um Staps herumgebaut." Erst als der Angeklagte Rohre zerstörte, habe die Verwaltung die Räumung verlangt.

Dass er in seiner Wohnung und im ganzen Haus im September 1999 Feuer gelegt hat, gibt Staps zu. "Es sollte ein möglichst hoher Schaden entstehen." Der Hausverwalter bezifferte diesen nun auf rund 500 000 Mark. Nach dem Brand tauchte der frühere FU-Student Staps ab und versteckte sich in dem stillgelegten Gefängnis in Rummelsburg. Dort sann er, der als Einzelgänger gilt, auf Rache. Auch an der PDS, von der er sich allein gelassen fühlte.

"Wenn mir meine Wohnung nicht geraubt worden wäre, wäre auch nichts passiert", sagte Staps auch am zweiten Verhandlungstag. Nicht der Brand und nicht die Sache mit der Kundgebung. Er hatte gefordert, dass die von der PDS veranstaltete Ehrung abgesagt werden sollte und drohte mit einer Attacke mit Maschinenpistole und Handgranaten. Der Prozess wird kommenden Freitag fortgesetzt.

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