Berlin : Star unter Statisten – Klaus Wowereit

Alle kennen ihn, jeder zweite Berliner ist mit seiner Arbeit zufrieden. Schlechte Noten für Mitstreiter und Gegner

Ulrich Zawatka-Gerlach

Klaus Wowereit forever? Nein, soweit sind wir noch nicht. Am 1. Oktober wird er erst einmal 50 Jahre alt und lässt sich tüchtig feiern. Die Berliner haben dem Regierenden Bürgermeister aber vorab ein kleines Geburtstagsgeschenk gemacht. Sie finden ihn ganz gut – und sagen das auch. In der neuen Umfrage von Infratest dimap gaben 49 Prozent der Wahlberechtigten zu Protokoll, dass sie mit der politischen Arbeit Wowereits zufrieden (42 Prozent) oder sehr zufrieden (7 Prozent) sind. Und zwar im Osten und Westen der Stadt gleichermaßen, die zwar seit 13 Jahren nicht mehr geteilt ist, aber sich manchmal immer noch so verhält.

Gar nicht zufrieden sind mit dem Berliner Regierungschef nur 20 Prozent der Befragten. Woraus sich schließen lässt, dass auch manche Wähler der Oppositionsparteien Klaus Wowereit wohlgesonnen sind. Die Männer mögen ihn etwas mehr (51 Prozent) als die Frauen (48 Prozent). Einen kleinen Beliebtheitsknick muss er bei den 35- bis 59-jährigen Berlinern hinnehmen. Bei den Senioren hingegen ist Wowereit überdurchschnittlich beliebt und die jungen Leute bis 24 Jahre sind zu 58 Prozent mit seiner Arbeit einverstanden. Mit diesem Wert nähert sich Wowereit den Beliebtheitswerten seines Vorgängers Eberhard Diepgen (CDU) in dessen besten Zeiten an.

Und wie denkt das Wahlvolk über die Mitstreiter und Gegner des Regierenden Bürgermeisters? Da klafft eine Riesenlücke; kein anderer Senator oder Fraktionschef reicht auch nur annähernd an „Super-Wowi“ heran. Mit dem Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD), der an zweiter Stelle der Liste steht, sind nur 23 Prozent der Berliner zufrieden oder sehr zufrieden. Bei den Männern, bei Menschen ab 45 Jahre und in gebildeten Kreisen findet der strenge Sparkommissar etwas mehr Unterstützung. Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) erreicht 22 Prozent, Stadtentwicklungssenator Peter Strieder kommt nur auf 17 Prozent. Und alle haben das Problem, dass nicht jeder sie kennt. Wowereit ist fast allen Berlinern (94 Prozent) ein Begriff. Strieder kennen nur 75 Prozent und Sarrazin 71 Prozent der Befragten. Und nur jeder zweite Bürger weiß, wer Harald Wolf ist.

Selbst von solchen Zahlen können die Fraktionsvorsitzenden im Abgeordnetenhaus nur träumen. Kaum jemand kennt sie, nur wenige finden sie wirklich gut. Mit Sibyll Klotz (Grüne) sind 17 Prozent zufrieden, mit Stefan Liebich (PDS) 15 Prozent, mit Michael Müller (SPD) und Nicolas Zimmer (CDU) zehn Prozent. Martin Lindner, der die FDP-Fraktion führt, schwenkt mit fünf Prozent die rote Laterne. Was noch problematischer ist: Sie haben „kein Gesicht“, wie die Forscher von Infratest dimap es ausdrücken. Mit dem Namen Klotz können immerhin noch 40 Prozent der Befragten etwas anfangen, aber nur jeder vierte Berliner kennt Müller oder Zimmer, und Lindner ist nicht einmal jedem Fünften bekannt.

Weit abgeschlagen im Feld landet auch der CDU-Landeschef und Bezirksbürgermeister von Mitte, Joachim Zeller. Mit seiner politischen Arbeit sind 17 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden. Nur jeder dritte wahlberechtigte Berliner kennt den potenziellen Herausforderer des SPD-Spitzenmannes Wowereit. Der Regierende Bürgermeister sei auch der einzige Landespolitiker, der für die eigene Anhängerschaft als Identifikationsfigur tauge, sagen die Meinungsforscher. 80 Prozent der SPD-Anhänger sind zufrieden mit dem, was er tut. Auch deshalb wird er von den Genossen gefeiert, am 1. Oktober. Zum Empfang der SPD im Abgeordnetenhaus kommt Gerhard Schröder und hält eine kleine Festrede.

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