Berlin : Stargäste statt Fahrgäste

Nicht erst seit Robbie Williams ist der U-Bahnhof Reichstag beliebt – als Partyort, nicht als Haltestelle

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Wann hier jemals Züge halten werden, ist nicht abzusehen. Der UBahnhof-Reichstag, direkt vor dem Paul-Löbe-Haus des Bundestages und nur wenige Gehminuten vom Kanzleramt entfernt, ist trotzdem gefragt wie selten – von Partyveranstaltern. In der Nacht zu Montag sang hier Superstar Robbie Williams samt seines Orchesters bei der Premierenparty für den Trickfilm „Findet Nemo“. Das war der vorläufige Höhepunkt des Feier-Reigens in der Station. Aber bei weitem nicht das erste Mal, dass der Bahnhof als Kulisse oder Partyort genutzt wurde.

Der von Kanzleramts-Architekt Axel Schultes entworfene U-Bahnhof ist seit 1996 im Rohbau fertig und soll irgendwann einmal als Teil der Linie U5 den Alexanderplatz mit dem Lehrter Stadtbahnhof verbinden. Alles Zukunftsmusik, seitdem der Senat kein Geld für das Prestigeobjekt hat. Auch für die Pläne von Verkehrssenator Peter Strieder, auf dem Stummel-Stück zwischen Lehrter Bahnhof und Pariser Platz einen Zug pendeln zu lassen, gibt es noch keinen Zeitplan. Es darf also weiter gefeiert werden im durchaus ansprechenden Ambiente des U-Bahnhofs Reichstag. Große Säulen dominieren die 70 Meter lange und zwölf Meter breite Plattform. Sie ähneln den Säulen des Kanzleramts und des Krematoriums Treptow – beide kommen vom Zeichenbrett Schultes.

Vor zwei Jahren hat der Senat der PR-Agentur „Schubert & Schubert“ die Nutzungsrechte übertragen. Und seither nutzen Filmverleiher den Bahnhof, um Partys zu feiern. Es wird aber auch gedreht dort unten. Zum Beispiel einige Szenen für den Film „Resident Evil“ von Sony-Pictures, aber auch Werbeclips des Sportartikelherstellers Nike (unter anderem mit Ronaldo). Nike lud auf den Bahnhof auch zu den Spaß-Sport-Events und nutzte dabei auch Teile der im Durchmesser vier Meter großen Röhren des künftiger U-Bahn-Tunnels. Die Neuköllner Oper entdeckte in dem Ambiente des Bahnhofs (und vor allem in der exponierten Lage im Regierungsviertel) den idealen Spielort für ihr Musik-Stück „Angela. Eine Nationaloper.“ Und auch die Akustik ist nicht schlecht. Absolut konzerttauglich, wie bei Robbie Williams zu hören war. oew

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