Berlin : Starke Tänzer, schwaches Parkett

Ein Abend fürs Volk: Beim 50. ADAC-Ball im Maritim-Hotel amüsierten sich fast 4000 Gäste

Elisabeth Binder

Näher kann man an das alte West-Berlin kaum rankommen. Wie es die Tradition und wohl auch die eigene Neigung verlangt, rollt ADAC-Chef Wolf Wegener in einem schwarz-weißen, fast siebzig Jahre alten Oldtimer durch einen roten Vorhang auf die Bühne im Ballsaal des Maritim-Hotels in der Stauffenbergstraße. Zum fünfzigsten Mal wird der fast 75-jährige Vorstandsvorsitzende des ADAC gleich den populären Ball eröffnen, der fast 4000 Gäste mobilisiert hat. Vorab ein launiges Geplänkel mit Moderatorin Ulla Kock am Brink. Ob er als Kind vor „Mama“ und „Papa“ schon „Auto“ gesagt hat? „Das möchte ich nicht dementieren.“ Und ja, er sei schon ein bisschen stolz darauf, in all den Jahren „über 300 000 Ballgäste, wie ich glaube, glücklich gemacht zu haben“. Dann schreitet Wegener zur Tat: „Amüsieren Sie sich köstlich und tanzen Sie mit den Damen. Der Ball ist nunmehr voll eröffnet.“

Ganz vorn an der Tanzfläche sitzt Mercedes-Chef Walter Müller, braun gebrannt von einer Südafrikareise. Dass er als Wegeners möglicher Nachfolger im Ehrenamt des ADAC-Vorsitzenden gehandelt wird, dementiert er nicht, aber er will es auch nicht bestätigen. Kribbelt’s ihm denn gar nicht in den Fingern? Müllers Antwort: „Wem es angesichts einer solchen Ehre nicht in den Fingern juckt, der hat kein Fingerspitzengefühl.“

Nach einer Balletteinlage, bei der sich die Tänzer so kunstvoll auf dem Boden wälzen, als wollten sie das Kamasutra neu erfinden, was die Moderatorin prompt veranlasst, da eine mögliche Anregung fürs Après-Ball-Programm herauszudeuten, wird getanzt, was das Zeug hält. „Ein echter Volksball“, schwärmt Jochen Feilcke. „Hier wird wirklich nur gefeiert“, jubelt Geschäftsfrau Nicole Urbschat. Roger Cicero swingt, während Altbundespräsident Walter Scheel mit dem Historiker Arnulf Baring plaudert. Der russische Botschafter Vladimir Kotenev ist mit Frau Maria gekommen, Eberhard und Monika Diepgen sind dabei und auch der langjährige Kempinski-Direktor Rudolf W. Münster.

Pech für die Tanzenden: Das Parkett hält nicht, kann auch nicht, wie vor zwei Wochen beim Berliner Presseball, rasch repariert werden. Zwar gibt es noch andere Tanzflächen mit mitreißender Musik und außerdem den Teppich unter dem Parkett. Peinlich für das Hotel ist die Panne trotzdem. Ein ADAC-Sprecher sagte: „Das Parkett muss unseren hohen Anspruch mittragen.“

Fürs Volkstümliche spricht, dass Currywurst und Hummersuppe genau den gleichen Preis haben, nämlich fünf Euro. Eine nette Friseuse lädt in die Beauty-Lounge ein: „Wir haben einen Salon am Potsdamer Platz, kommen ursprünglich aus Beelitz“, erzählt sie. „Kennen Sie Beelitz?“ Elisabeth Binder

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