Berlin : Starkes Spiel, schwache Organisation

Gefährliches Gedränge vor dem Olympiastadion: Bis zur WM muss noch einiges verbessert werden

André Görke

Ein Länderspiel in Berlin, ein ausverkauftes Stadion – und am Ende hat die Nationalmannschaft sogar ein 1:1 gegen Brasilien erkämpft. „Ein fulminanter Abend“, sagt Andreas Berr. Der Projektleiter des Senats für das Olympiastadion zieht ein „erstes positives Fazit“, sagt allerdings auch: „Wir haben gesehen, dass wir bis zur WM 2006 einiges verbessern müssen.“

Das ausverkaufte Stadion mit 76 000 Zuschauern war die erste Probe für die Organisatoren nach der vierjährigen Sanierung. Erste Probleme wurden am Tag danach aufgelistet: „Zugangssystem und Verkehrsmanagement müssen überarbeitet werden“, heißt es in Polizeikreisen. Viele Fans beschwerten sich über lange Wartezeiten und ein gefährliches Gedränge im Pulk vor den Kassen.

Dennoch sei die Stimmung „WM-reif“ gewesen, sagte Gerd Graus, Sprecher des Organisationskomitees 2006. „Nur Kleinigkeiten“ müssten verbessert werden. Die Wartezeiten vor dem Stadion führten er und auch Polizei „auf die Berliner Stadionmentalität“ zurück. Viele Zuschauer würden erst eine halbe Stunde vor Anpfiff anreisen. Die 700 Ordner könnten dann „unmöglich alle schnell ins Stadion schleusen“, sagt ein Sicherheitsbeamter. Hinzu komme eine andere, weniger regelmäßig ins Stadion gehende Klientel als bei Hertha-Spielen. Weil diese „Stadion-Neulinge“ aber auch bei der WM erwartet werden, tagen Sicherheitskräfte, Senat und Organisatoren, um den Zugang zu erleichtern. Schon im Herbst beginnen die Umbaumaßnahmen, die der Weltverband Fifa nachträglich gefordert hat.

Fans kommen dann nur mit elektronischen Tickets ins Stadion. Zudem werden Geländer vor den Kassen errichtet, damit laut Fifa-Vorschrift „die Personen nur einzeln und hintereinander die Kontrollstelle passieren können“. Zudem wird ein dritter Zugang gebaut, um die Massen zu entzerren. Dieser sollte ab Mai 2005 genutzt werden.

Zwar klagte auch die brasilianische Nationalmannschaft über zu steile, gefährliche Treppen im Innern des Stadions und einen zu weiten Weg von der Kabine zum Spielfeld. Deshalb ging sie in der Halbzeit Richtung Marathontor und nicht wie vorgesehen zur Haupttribüne. Doch solche Probleme sind wegen des Denkmalschutzes kaum zu beheben. Auf die Stufen wurden Teppichstreifen geklebt, damit die Spieler nicht rutschen. Änderungen soll es zumindest auf der VIP-Tribüne geben, sagt Herthas Manager Dieter Hoeneß. „Viele Politiker haben wegen eines Geländers wenig vom Spiel gesehen.“

Zur WM soll vieles besser werden: Derzeit wird ein 2,50 Meter hoher Zaun um das Stadion geplant. Dieser soll 2006 teilweise mehr als hundert Meter vor den Kassenhäuschen stehen. Am Zaun, der mehr Durchlässe haben soll als der heutige Kassenbereich, werden die Fans abgetastet, ihr elektronisches Ticket wird dann erst an den Kassen geprüft.

Neue Planungen gibt es auch beim Verkehr: Die Parkplätze werden bis zur WM neu organisiert und – ähnlich wie in Parkhäusern – elektronisch erfasst, der Verkehr somit geleitet. Die S-Bahn dürfe zudem keine Bauarbeiten in Stadionnähe durchführen wie am Mittwoch, als nur ein Gleis zur Verfügung stand. Ausweichen konnte an diesem Abend nur der Bundeskanzler: Gerhard Schröder raste eine halbe Stunde vor Anpfiff mit einer Polizeikolonne einfach über die Gegenspur der verstopften Heerstraße.

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