Starpianist stellt eigenes Parfüm vor : Für Lang Lang riecht Berlin "nach Energie"

Wonach riecht Berlin? Und wie klingt es? Ein Gespräch über den Duft der Stadt mit Starpianist Lang Lang, der jetzt in Berlin sein eigenes Parfüm vorgestellt hat.

Starpianist Lang Lang stellte jetzt in Berlin sein eigenes Parfüm vor - und plauderte über den Duft und den Klang der Hauptstadt
Starpianist Lang Lang stellte jetzt in Berlin sein eigenes Parfüm vor - und plauderte über den Duft und den Klang der HauptstadtFoto: dpa

Lang Lang, Sie haben gerade in den Galeries Lafayette Ihr erstes eigenes Parfüm vorgestellt. Da fragen wir uns: Wie riecht eigentlich Berlin?

Nach Energie! Jedes Mal, wenn ich nach Berlin komme, passieren hier jede Menge Dinge. Die ganze Stadt ist in Bewegung, viele Gebäude werden gebaut. Gestern war ich in einem Restaurant am Spreeufer, in dem ich vor ein paar Jahren schon einmal war. Ich habe die Aussicht gerade noch wiedererkannt, aber auf der anderen Seite standen schon wieder ein paar große neue Häuser. Ich weiß nicht, wie ich das in einen konkreten Geschmack fassen soll, aber Berlin ist einfach eine sehr energiereiche Stadt.

Lustig, dass Sie das so sehen. Verglichen mit einigen Städten in Ihrem Heimatland China ist das Wachstum hier doch sicher behäbig?
Aber die Situation in China ist eine ganz andere. China ist immer noch im Entwicklungsprozess. Wenn wir dagegen über die bereits hochentwickelten Länder sprechen, speziell über die großen Hauptstädte in Europa, dann passiert dort meist nicht mehr viel. Berlin ist eine Ausnahme.

Die Energie Ihres Spiels wollen Sie mit ihrem Parfüm in Duft übersetzen lassen …
Nicht nur die Energie. Wir wollten Leidenschaft, aber auch Sensibilität, dolce und appassionato widerspiegeln – eben das, was Musik häufig ausmacht. Die Idee war, etwas herzustellen, das Kunst ist, aber das die Leute auch mit nach Hause nehmen können, um sich zu erfrischen.

Klingt ambitioniert. War das ihre Idee?
Ja. Vor jedem Konzert ärgere ich mich, dass ich kein Stammparfüm habe. Auf Flughäfen bin ich nur in den Duty Free Shops, sprühe hier, sprühe da, natürlich rieche ich dann ziemlich schnell gar nichts mehr. Ich wollte etwas, das mich wirklich repräsentiert. Deshalb haben wir uns auch mit der Entwicklung Zeit gelassen, vier oder fünf Jahre, es sollte ein ganz eigener, ungewöhnlicher Ausdruck sein. Fürs Erste bin ich mit dem Ergebnis sehr zufrieden.

Fürs Erste? Wollen Sie noch mehr Parfüms herausbringen?
Hey, wer weiß? Jetzt konzentrieren wir uns erst mal auf diese Welle. Und wir fühlen uns sehr geehrt, hier in den Galeries Lafayette in Berlin präsentiert zu werden. Gestern kam ich aus Paris an und lief einfach nur durch die Stadt – niemand hatte mir erzählt, dass wir riesige Plakate haben! Plötzlich sah ich mich selbst am Klavier, überlebensgroß, als Werbung für den Duft, und ich dachte nur: Oh mein Gott.

Sie haben anfangs gesagt, Berlin riecht nach Energie. Wie klingt die Stadt?
Berlin ist eine Welt für sich. Allein die ganze Geschichte. Nicht viele Städte auf der Welt haben solche Erfahrungen gemacht. Deshalb würde ich sagen: Berlin ist Beethovens Neunte Sinfonie. Mit all der Gewalt, all der Majestät. Wenn ich mir vorstelle, wie die Menschen im 21sten Jahrhundert diese Stadt gemeinsam nach vorne gebracht haben, wie sie hier etwas bewegen ... doch, ich bleibe bei Beethovens Neunter. Viele werden sagen, das ist eine plumpe, offensichtliche Wahl. Aber manchmal ist das Offensichtliche eben auch das Passendste.

Das Gespräch führte Tilman Strasser.

Lang Lang, 32, ist einer der bekanntesten Pianisten der Welt. Der Chinese stand mit fünf Jahren zum ersten Mal auf der Bühne und gibt seither Konzerte auf der ganzen Welt.

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