Berlin : Stars durch die Hintertür

Matthias Oloew

Die Bilder kennt man ja: Dunkle Limousinen fahren vor, Chauffeure öffnen den Schlag, und behutsam schwingen die Stars ihre Beine aufs Trottoir. Da ist der Applaus der flankierenden Menge schon längst aufgebrandet. Ein Lächeln links, ein Lächeln rechts, Winken für die Kameras, vielleicht ein paar Autogramme, und nach wenigen Minuten ist der Star in der Hotellobby verschwunden. Bei der Berlinale 2002 wird es solche Szenen bestenfalls zu den feierlichen Premieren im Berlinale-Palast geben. Vor den Hotels, in denen die Stars logieren, wo sie Interviews geben oder zur Pressekonferenz gehen, wird es dazu nicht kommen. Bestes Beispiel ist das Grand Hyatt am Marlene-Dietrich-Platz. Das Haus ist das neue Festival-Zentrum. Jeder prominente Festspiel-Gast, der einen Film vorzustellen hat, kommt hierher. Doch die Berlinale-Stars kommen durch den Hintereingang, der eigentlich der Notausgang ist. Damit die Treppen nach oben nicht ganz so unwirtlich wirken, hat Hoteldirektor Fred Hürst einen roten Teppich legen lassen. Auf den Absätzen stehen Kandelaber, in denen Kerzen flackern, und in großen Vasen haben die Dekorateure Calla drapiert. Oben angekommen, öffnen sich die Türen zur VIP-Lounge im ersten Stock.

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Hübsch ist es hier, mit viel Tageslicht. Schwarze Polster, ein Flügel, helle Wände, Kerzen, Tischdeko, dezente Musik. Die meiste Zeit des Tages ist in der VIP-Lounge jedoch nicht viel los. Keine Catherine Deneuve, die mit Isabelle Huppert champagnert, kein Tom Tykwer, der mit Franka Potente für die Promi-Fotografen posiert. Dafür haben die Stars schlicht keine Zeit. Vor und nach der Pressekonferenz im Hyatt geben sie Journalisten Einzelinterviews, meistens abseits des Festival-Rummels, zum Beispiel im Four Seasons am Gendarmenmarkt oder im Adlon. Abends dann die Premiere im Kino, da muss man ausgeruht und schön sein, um nachts noch zu feiern.

Die VIP-Lounge im Hyatt ist ein luxuriöses Durchgangszimmer. Nachdem die Stars hier angekommen sind, schüttelt Festivalchef Dieter Kosslick ihnen die Hand, aber dann wird es auch schon Zeit, das Make-Up in einem der beiden Studios nebenan aufzufrischen, denn draußen, vor der Tür, warten die Fotografen auf einer eigens aufgebauten Amphietheaterartigen Tribüne, zum "Fotocall", wie der Fototermin neudeutsch genannt wird. Die Stars verlassen also die Lounge, treten vor die Kameras, für zehn Minuten in der Regel, um danach wieder in der Lounge zu verschwinden. Doch dann haben sie immer noch keine Zeit, denn jetzt warten die schreibenden Journalisten im Pressekonferenzsaal nebenan schon auf sie. Also marschieren sie schnurstracks durch die Lounge zur nächsten Tür. Wenn die Pressekonferenz gelaufen ist, warten unten, am Hinterausgang, schon wieder die Limousinen. In der Lobby des Hyatt, die für jeden während der Berlinale jederzeit zugänglich ist, wird man von all dem nichts mitbekommen.

Trotzdem frohlockt Hotelchef Fred Hürst, dass er die Berlinale beherbergen darf. Sein Haus mit den 342 Zimmern ist ausgebucht, allein ein Viertel aller Räume beansprucht die Festivalleitung. Zum Beispiel für die Jury oder andere Festivalgäste, wie Claudia Cardinale, Nino Cerrutti oder Armin Mueller-Stahl. Besonders gefragt ist der Wellness-Club samt Pool unterm Dach der Herberge. Zur Berlinale vor zwei Jahren fand hier eine der spektakulärsten Partys statt. Auch für dieses Jahr häuften sich die Anfragen. Aber Hürst winkt ab: "Wir möchten, dass unsere Gäste während des Festivals das volle Angebot des Hauses nutzen können." Also: Keine Caipirinhas am Pool unterm Hyatt-Dach.

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