Berlin : Stars mit Mission

Erst ein Treffen mit Hilfsorganisationen, dann ein Dinner bei Daimler-Chrysler: Wie Sänger Bono und Herbert Grönemeyer gegen Armut kämpfen

Juris Lempfert

Ein grauer VW-Bus stoppt am Gendarmenmarkt. Auf der Rückbank sitzen zwei Männer – brav angeschnallt. Plötzlich kreischen ein paar Mädchen, deren Blicke zufällig durch die ungetönten Scheiben fallen: „Guck mal der Grönemeyer! Und Bono“! Da steigen der deutsche Popstar und sein Kollege von der irischen Band „U2“ auch schon aus dem Wagen. Sie entschwinden nicht etwa in eines der Luxushotels, sondern ins Haus der Evangelischen Kirche Deutschlands. Hier treffen sie sich mit Aktivisten, die gegen Armut und Aids in Afrika kämpfen. Später fahren sie weiter zum Potsdamer Platz, wo sie an einer Preisverleihung teilnehmen, bei der auch der Bundeskanzler sprechen wird.

Die beiden Musiker haben sich vor längerem auf einer Party in London kennen gelernt und sich bei einem zweiten Treffen für eine gemeinsame Aktion in Berlin verabredet. Ihr Ziel: Druck auf die Regierung machen und örtliche Aktivisten unterstützen. „Mein Leben hat sich Anfang der achtziger Jahre geändert“, sagt Bono auf einer Pressekonferenz. Nach dem Live-Aid-Konzert von Sänger Bob Geldof fuhr er mit seiner Frau nach Afrika. „Das Leid dort habe ich nie wieder vergessen“, sagt er. Seither trommelt er auf Kongressen, Wirtschaftstreffen oder Politikergipfeln für mehr Gerechtigkeit beim Welthandel und mehr Geld für Afrika. Die Arbeit mit der Band U 2 steht für ihn nicht mehr alleine an erster Stelle. „Unsere Fans haben dafür Verständnis“, sagt Bono, „die sind doch alle genauso idealistisch wie wir.“ Die anderen Bandmitglieder unterstützen ihren Frontmann – finanziell, außerdem spielen sie bei Benefizkonzerten ohne Gage mit. Auf Diskussionen mit Politikern oder Wirtschaftsbossen hat von ihnen aber keiner Lust. „Es ist eine schreckliche Arbeit“, gibt auch Bono zu, „aber einer muss sie machen.“

Auch bei Herbert Grönemeyer hat ein Afrika-Besuch Spuren hinterlassen: „Das Elend dort lässt niemanden kalt“, sagt er. Jetzt müsse vor allem Druck auf die Regierung gemacht werden. „damit der Schröder hinterher nicht sagen kann, er habe von nichts gewusst.“ Bono und Grönemeyer unterstützen die Nichtregierungsorganisationen (die so genannte NGOs) bei deren Forderungen nach mehr Geld für die weltweite Bekämpfung von tödlichen Krankheiten. Deswegen begrüßen sie auch Initiativen wie das Anti-Aids-Bündnis „Global Business Coalition on Aids“ (GBC), in dem 140 internationale Firmen mitwirken. Die Musiker sind dabei, als die GBC am Abend im Daimler-Chrysler-Haus am Potsdamer Platz die Firmen Siemens, Viacom, Coca-Cola, den Rohstoffverarbeiter Billiton und die Bergbaufirma Anglo American auszeichnet. Sie alle hatten spezielle Gesundheitsprogramme für die Arbeiter in afrikanischen Fabriken entwickelt. Gastgeber des Abends ist Jürgen Schrempp, Chef von Daimler-Chrysler und GBC-Vorsitzender. Im Publikum: Weltbank-Präsident James Wolfensohn, Ex-US-Botschafter Richard Holbrook, Unternehmer Hartwig Piepenbrock, Verleger Hubert Burda, Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul und FDP-Chef Guido Westerwelle. Gastredner des Dinners ist Bundeskanzler Gerhard Schröder. Er wies auf die 300 Millionen Euro hin, die Deutschland jährlich für die weltweite Bekämpfung von Aids, Malaria und Tuberkolose ausgebe. Sänger Bono und sein deutscher Kollege wünschen sich noch mehr Engagement. Grönemeyer: „Wir können noch viel mehr geben. Denn wir sind ökonomisch stark.“

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