Berlin : Startklar für Schließung des Flughafens Tempelhof

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Die Senatswirtschaftsverwaltung lässt zur Zeit prüfen, unter welchen wirtschaftlichen Bedingungen der Flughafen Tempelhof als "Gewerbepark mit angeschlossener Landebahn" nach einer Schließung des allgemeinen Verkehrsflughafens weiterbetrieben werden könnte. Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) sieht in diesem Konzept die Zukunft Tempelhofs, während die SPD als möglicher Koalitionspartner sich nach wie vor dafür einsetzt, den Flughafen vollständig zu schließen.

Die Senatsverkehrsverwaltung hat nach Angaben ihrer Sprecherin Petra Reetz den Antrag der Flughafengesellschaft, Tempelhof zu schließen, so weit bearbeitet, dass der Schritt erfolgen kann, sobald die gesetzten Voraussetzungen dafür vorliegen. 1996 hatten sich der Bund, Berlin und Brandenburg darauf geeinigt, Tempelhof zu schließen, wenn das Genehmigungsverfahren für die südliche Erweiterung des Flughafens Schönefeld abgeschlossen ist. Damit rechnet die Flughafengesellschaft im Jahr 2002. "Geschlossen werden kann der Flughafen mit dem Ende der Flugsaison, die nach der Genehmigung folgt", sagte Reetz.

Die Flughafengesellschaft könnte ihren Antrag aber auch zurückziehen, machte Reetz deutlich. Rechtlich möglich ist es ferner, Tempelhof als allgemeinen Verkehrsflughafen zu schließen, dort aber weiter einen sogenannten Landeplatz zu betreiben.

Dies ist das Ziel von Wirtschaftssenator Branoner. Nach Angaben seines Sprechers Michael Wehran soll es in Tempelhof in Zukunft keinen Linienverkehr mehr geben. Auch für die allgemeine Geschäftsfliegerei solle er nicht genutzt werden. Von der "Startbahn vor der Haustür" sollten nur die Betriebe profitieren, die sich im künftigen Gewerbepark Tempelhof ansiedeln.

Wie ein solcher "Landeplatz" finanziert werden könnte, werde derzeit geprüft, sagte der Sprecher weiter. Auch der Landeplatz benötigt eine technische Infrastruktur. Ob Branoner bereit ist, dafür auch Geld aus der Landeskasse zu nehmen, ließ Wehran offen. Der verkehrspolitische Sprecher der CDU, Alexander Kaczmarek, bezweifelt, ob ein Flughafen nur für ortsansässige Firmen rentabel wäre. Er will den allgemeinen Flugbetrieb deshalb so lange weiterlaufen lassen, bis der neue Flughafen in Schönefeld betriebsbereit ist. Nach derzeitigen Planungen könnte dies 2007 so weit sein.

Für den Verkehrsexperten der SPD, Christian Gaebler, ist bereits jetzt klar, dass ein solcher Flugbetrieb wirtschaftlich nicht zu betreiben wäre. "Je weniger Maschinen dort starten und landen, desto teurer wird es." Spätestens nach einem Jahr drohe ein Konkurs, und um diesen zu vermeiden, würde umgehend der Flugverkehr erweitert, ist Gaebler überzeugt. Die SPD bleibe bei ihrem Nein zum Flugbetrieb in Tempelhof.

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