Stasiopfer-Gedenkstätte : Schulden durch Ansturm der Schüler

Stasiopfer-Gedenkstätte in Geldnot: Die Schüler nehmen jede Menge mit bei einem Besuch in der Genslerstraße 66. Nur zahlen sie keinen Eintritt.

Lea Hampel

Weinende Schüler sind vor der Genslerstraße 66 kein seltener Anblick. Sie kommen durch die Gittertür, stehen vor der Betonmauer und sind fassungslos. Hinter ihnen liegen zwei Stunden, in denen sie gelernt haben, was Folter und Erniedrigung in der DDR bedeuteten. Der Besuch in der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen ist bei Klassenfahrten aus ganz Deutschland nach Berlin Pflichttermin. Aber die Schüler müssen – im Gegensatz zu Erwachsenen – keinen Eintritt bezahlen.

Achtzig Mal so viele Besucher wie noch bei der Öffnung der Gedenkstätte vor 15 Jahren nehmen inzwischen pro Jahr an einer Führung mit einem der ehemaligen Häftlinge teil: Während es 1994 nur 3096 Interessierte waren, kamen dieses Jahr schon 146 000 – obwohl die traditionell starken Monate September bis November noch anstehen.

Man werde vom eigenen Erfolg bestraft, sagt Direktor Hubertus Knabe: Weil die Zahl der jungen, internationalen Besucher so drastisch gestiegen ist, habe die Gedenkstätte jetzt mehr als 70 000 Euro Schulden. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) reagierte am Montag schnell: Er habe „umgehend sichergestellt“, dass die fehlenden 70 000 Euro zur Verfügung gestellt werden, teilte er mit. „Es wäre unverantwortlich, gerade im zwanzigsten Jahr des Mauerfalls, dieser Gedenkstätte nicht ausreichend Mittel für Führungen zur Verfügung zu stellen.“

Das Grundproblem bleibt: Die Finanzierung durch das Land, den Bund und eigene Einnahmen reichen laut Knabe nicht mehr, um die 12 Angestellten und 58 Referenten zu bezahlen. Vor diesem „strukturellen Problem“, werde man immer wieder stehen, solange sich die Führungen nicht selbst tragen. Er sieht drei Lösungsmöglichkeiten: Entweder man müsse um mehr Geld bitten, weniger Führungen anbieten oder von Erwachsenen mehr und von Jugendlichen einen Euro Eintritt verlangen. Weniger Besuche befürchtet Knabe dadurch nicht, der Eintritt koste die Jugendlichen dann „so viel wie ein Handyklingelton“. Lea Hampel

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