Statistik : Arbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg auf Rekordtief

Die Arbeitslosigkeit ist in Berlin und Brandenburg weiter gesunken und hat damit den tiefsten Stand seit der Wiedervereinigung erreicht. Das meldete die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.

Geht es am Arbeitsmarkt aufwärts? Die Zahl der Arbeitslosen sinkt - auch in Berlin. Foto: dpa
Geht es am Arbeitsmarkt aufwärts? Die Zahl der Arbeitslosen sinkt - auch in Berlin.Foto: dpa

Im Oktober waren 350.671 Menschen in der Region erwerbslos gemeldet. Das waren 9.165 weniger als im Vormonat und 24.496 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank damit um 0,9 Prozentpunkte auf 11,5 Prozent.

In Berlin waren 219.388 Menschen erwerbslos gemeldet, 5.964 weniger als im September und 9.339 weniger als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote ging um 0,4 Prozentpunkte auf 12,8 Prozent zurück.
Im Land Brandenburg gab es 131.283 Arbeitslose, 3.201 weniger als im Vormonat und 15.157 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote lag bei 9,8 Prozent, 0,2 Prozentpunkte unter der im September.

Doch: "Diese Statistik spiegelt nur die halbe Wahrheit wieder", warnt der Sprecher des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg, Dieter Pienkny. Schließlich würden zahlreiche Personengruppen nicht von der Statistik erfasst, wie beispielsweise 1-Euro-Jobber, krank gemeldete Arbeitslose oder auch Erwerbslose, die an Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen. Bundesweit tauchen deshalb etwa 1 Millionen Arbeitslose gar nicht in der Statistik auf, schätzt der DGB.

Wen die Arbeitslosenstatistik verschweigt
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Doch auch die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wachse stetig, teilte die Bundesagentur mit. Den Angaben zufolge waren in Berlin im August 756.700 Männer und Frauen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen tätig. Die Zahl lag um 15.000 über dem Vorjahreswert. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei vor allem auf das anhaltende Wirtschaftswachstum zurückzuführen, heißt es aus der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit. "Bei allen Indikatoren, die wir für Berlin haben, ist sogar zu erwarten, dass sich der Trend fortsetzt", teilte der Sprecher Erik Benkendorf mit. Im Winter werde es voraussichtlich dennoch zu den üblichen saisonbedingten Schwankungen kommen.

Der DGB bezweifelt indessen die Qualität des "vermeintlichen Jobwunders". Viele Arbeitnehmer müssten sich mit prekären Beschäftigungsverhältnissen zufrieden geben. Das werde sich langfristig auch negativ auf die Binnenkonjunktur auswirken. "Der Niedriglohnsektor wächst und das drückt auf die Tarife", sagte Pienkny gegenüber dem Tagesspiegel.

Immer weniger Jugendliche drängen auf den Arbeitsmarkt. Auch das sei ein Grund für die sinkenden Arbeitslosenzahlen, berichtete die Arbeitsagentur. Bei den unter 25-Jährigen sank die Erwerbslosigkeit im Vergleich zum Vormonat um 1.837 auf 13.369. Mit Blick auf die Zukunft gibt das allerdings auch Anlass zur Sorge: Die Experten rechnen mit einem Fachkräftemangel. Schon jetzt gibt es in bestimmten Bereichen zahlreiche offene Stellen. Gleichzeitig fehlen auf dem Berliner Ausbildungsmarkt schätzungsweise 14.000 betriebliche Ausbildungsplätze, beklagt der DGB Berlin-Brandenburg.

Nach wie vor ist die Arbeitslosigkeit in Berlin und Brandenburg eine der höchsten in Deutschland. "Die Krux in Berlin ist, dass fast die Hälfte der Erwerbslosen keine abgeschlossene Berufsausbildung haben", erklärt Pienkny. Gerade im Bereich der Weiterbildung müsse die Arbeitsagentur deshalb mehr Angebote machen, statt weniger.

(dapd/stg)

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