Statistik : Berliner bauen ihre Schulden ab

Die Überschuldung der Berliner ist zurückgegangen, inzwischen stehen die Ostbezirke besser da als der Westen. Doch ein Grund für Euphorie ist das nicht: Wegen der Wirtschaftskrise wird ein Wiederanstieg erwartet.

Michael Winckler[ddp]

In der Rangliste der deutschen Bundesländer nehme die Hauptstadt zwar immer noch den vorletzten Platz ein, doch beim Schuldenabbau seien die Berliner Spitzenreiter, sagte der Creditreform-Chef für Berlin, Brandenburg und Frankfurt (Oder), Jochen Wolfram, am Donnerstag in Berlin. Gleichwohl gebe es keinen Grund zur Euphorie, denn die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise werde zum Anstieg der Arbeitslosenzahlen führen. Dadurch würden weniger Menschen in der Lage sein, ihre Verbindlichkeiten abzubauen, fügte Wolfram hinzu.

Die Schuldnerquote der Berliner ging den Angaben zufolge gegenüber dem Vorjahr um 1,81 Prozentpunkte auf 12,1 Prozent zurück. 13 von 23 Stadtteilen liegen unter dem Berliner Durchschnitt. Sieben Bezirke weisen eine einstellige Schuldnerquote auf. Der Ostteil der Stadt steht inzwischen besser da als die Bezirke im Westen Berlins.

Wedding ist Schlusslicht

Während in Prenzlauer Berg sowie Tempelhof und Mitte die Schuldenquote der Bürger durchschnittlich unter die Zehn-Prozentmarke sank, bildet der Bezirk Wedding mit 19,32 Prozent erneut das Schlusslicht. "Jeder Fünfte steht dort tief in der Kreide“, sagte Wolfram. Allerdings seien im Bezirk Wedding die meisten Schulden abgebaut worden, die Quote sei dort um 3,05 Prozentpunkte gesunken.

"Die Berliner haben ihre Schulden effektiv und effizient abgebaut“, bilanzierte der Creditreform-Chef. Die "entspannte Schuldensituation“ in Berlin spiegele zwar den Bundestrend wider, doch das sei nur die Ruhe vor dem Sturm, ergänzte Wolfram. Es sei zu erwarten, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt radikal verschlechtern werde. Dadurch würden immer weniger Menschen ihre Schulden abbauen können. Der durch Kurzarbeit weitgehend stabile Arbeitsmarkt, niedrige Inflationsraten, gesunkene Energiepreise sowie Konjunkturpakete hätten dafür gesorgt, dass die Krise noch nicht auf die Privathaushalte durchgeschlagen sei, sagte Wolfram. "Das wird sich im kommenden Jahr ändern“. (ho/ddp)

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