Statistisches Jahrbuch : Jedes zweite Kind ist nichtehelich

Berlin und Brandenburg liegen bei den Geburten nichtehelicher Kinder weit über dem Bundesdurchschnitt. Auch geheiratet wird in der Hauptstadtregion immer später. Das und mehr geht aus dem neuesten Statistischen Jahrbuch hervor.

Patricia Hecht,Matthias Matern

Berlin/Postdam - Heiraten ist offenbar nichts mehr, was junge Menschen dringend hinter sich bringen möchten: Berliner und Brandenburger schließen immer später den Bund der Ehe. Das durchschnittliche Heiratsalter sei in der Hauptstadt bei Männern in den vergangenen zehn Jahren von knapp 32 Jahren auf 34,4 Jahre im Jahr 2008 gestiegen, sagte Peter Lohauß vom Amt für Statistik Berlin-Brandenburg. Bei ledigen Berlinerinnen erhöhte sich das Heiratsalter von 29,3 auf 31,6 Jahre, und bei den Brandenburgerinnen stieg es von 27,6 auf 30,8 Jahre.

Außerdem gibt es laut Lohauß immer mehr nicht eheliche Kinder in der Region. Während die Berliner im Jahr 1992 noch knapp 30 Prozent nicht ehelicher Kinder bekamen, waren es im vergangenen Jahr schon fast die Hälfte aller Kinder. In Brandenburg stieg ihr Anteil sogar auf 60 Prozent. Beide Länder lagen damit letztes Jahr weit über dem Bundesdurchschnitt von 32 Prozent.

„Der Trend, dass Brandenburger immer später heiraten, ist leicht zu erklären“, sagte Hans Bertram, Professor für Mikrosoziologie an der Humboldt-Universität. Die Quote derjenigen, die Abitur machen durften, sei in der DDR noch sehr begrenzt gewesen. „Da nach der Wende immer mehr junge Frauen und Männer studieren und später in den Job einsteigen, wird auch später geheiratet.“ In Berlin habe das Heiratsalter wie in allen Großstädten immer schon etwas höher gelegen. Das habe unter anderem mit den Zugezogenen zu tun, die sehr mobil seien und sich auch dadurch erst spät fest binden. Insgesamt werde die Ehe mittlerweile einfach anders interpretiert als noch vor 20 Jahren, sagte Bertram. Früher sei mit der Eheschließung der Auszug aus dem Elternhaus einhergegangen – und damit auch Unabhängigkeit und ein eigenes Leben. „Diese Übergänge aus der Jugend sind mittlerweile fließend“, so Bertram. Die Freundin dürfe schon vor der Ehe beim Freund übernachten, Sexualität sei nicht mehr nur mit der Ehe verknüpft. Es bestehe kein Zwang mehr, zu heiraten. Oft stünden beide Partner auch schon lange auf eigenen Füßen. „Geheiratet wird heute, wenn die Kinder schon da sind“, sagte Bertram. Dann werde auch für diese gemeinsame Verantwortung und Sicherheit signalisiert: „Wir leben in geordneten Verhältnissen.“

Das Statistikamt zählte zudem einen Anstieg an Mehrlingsgeburten in der Region. Im Vergleich zu 1991 erhöhte sich in Berlin die Zahl der Zwillings- und Drillingsgeburten um mehr als 200 auf fast 600 im Jahr 2008. Einmal wurden sogar Sechslinge geboren. In Brandenburg stieg die Zahl der Zwillings- und Drillingsgeburten um mehr als 100 auf fast 300 an. Derzeit bekomme jede Brandenburgerin durchschnittlich 1,4 Kinder, jede Berlinerin 1,3 Kinder, hieß es.

Insgesamt gibt es laut Statistikamt in Brandenburg nur 20 Prozent kinderlose Frauen, in der Hauptstadt seien es 34 Prozent. Während Frauen zwischen 15 und 34 Jahren in der Mark noch zu 58 Prozent keine Kinder hätten, seien nur neun Prozent der Frauen zwischen 35 und 49 Jahren kinderlos. In Berlin beträgt die Prozentzahl bei der jüngeren Gruppe 65 Prozent, bei der älteren Gruppe 22 Prozent. Für Berlinerinnen im Alter von 35 bis 49 gilt, dass mit höherem Bildungsstand auch die Zahl der Kinderlosen wächst – fast jede Dritte mit Hochschul- oder Meisterabschluss hat kein leibliches Kind. Nur 13 Prozent der Frauen mit niedrigerem Abschluss haben keines. Insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund haben häufig mehrere Kinder.

Im Gegensatz zum Bundestrend sind in Brandenburg gut ausgebildete Frauen seltener kinderlos als Frauen mit geringerer Ausbildung. In der Mark hätten 41 Prozent der weniger gebildeten Frauen keine Kinder, während nur 14 Prozent der Frauen mit Hochschulabschlüssen kinderlos seien, sagte Lohauß. „Brandenburg verhält sich umgekehrt zu dem, was das Statistische Bundesamt zu den westdeutschen Ländern Ende Juli aussagte“, fügte der Statistiker hinzu. mit ddp

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