Berlin : Statt Stadtschloss eine weiße Fläche

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Kein Baum – nirgends. Es war um die traditionelle Vegetation des Tiergartens nicht gut bestellt im Jahre 1953. Was der Krieg übrig gelassen hatte, wurde danach abgeholzt, um Heizmaterial zu gewinnen. Und vor der Reichstagsruine wurde anfangs sogar Ackerbau betrieben. Der Zoologische Garten immerhin zeigt noch vergleichsweise dichten Bewuchs. An dem Luftbildplan lassen sich die massiven Zerstörungen, die die ehemals so prächtige Reichshauptstadt über sich ergehen lassen musste, leicht ablesen. Große graue Lücken klaffen in den einst geschlossenen Wohnblocks. Manche Wunde allerdings war noch ganz frisch, und weitere sollten in den nächsten Jahrzehnten folgen. Fast weiß bietet sich aus der Höhe der leere Schlossplatz dar, der diesen Namen nicht mehr verdiente (von der Mitte aus wenige Zentimeter zur oberen rechten Ecke). Die Ruinen des Anhalter Bahnhofs standen noch, als Endpunkte der Schienenstränge, die sich von unten links zur Mitte hin ins Bild schieben. Die Orientierung auf dem Luftbildplan ist nicht ganz einfach, es empfiehlt sich, einen leicht identifizierbaren Bezugspunkt zu suchen und sich von dort aus weiterzuarbeiten. Vom Großen Stern (Mitte linke Bildhälfte) tastet man sich am besten (schräg nach links unten) zu Gedächtniskirche und Wittenbergplatz samt KaDeWe vor. Ein anderer empfehlenswerter Weg führt vom achteckigen Leipziger Platz über die Potsdamer Straße nach unten links zum WegeOval des Schöneberger Kleistparks. Wenige Zentimeter darüber ist der Sportpalast auszumachen, in dem Propagandaminister Goeebels zehn Jahre zuvor den totalen Krieg verkündet hatte. Am Westrand des Kleistparks sieht man das Kontrollratsgebäude, jahrzehntelang Sitz des Berlin Air Safety Center. Eine Zusammenstellung der wichtigsten Luftzwischenfälle, die dann im „Confrontation Room“ verhandelt wurden, findet sich in Hans von Przychowskis Buch „Luftbrücken nach Berlin. Der alliierte Flugverkehr 1945-1990“ (Brandenburgisches Verlagshaus). Der Autor war langjähriger Chef vom Dienst des Tagesspiegels und Mitglied der Redaktionsleitung. ac

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