• Stattauto vor dem Konkurs: Der Mitbegründer der Firma will an großzügige Kunden eine Aktie verschenken

Berlin : Stattauto vor dem Konkurs: Der Mitbegründer der Firma will an großzügige Kunden eine Aktie verschenken

Katja Füchsel

Der Countdown läuft. Noch zwei Tage bleiben dem Mitbegründer von Stattauto, um eine Million Mark zu sammeln und so den Konkurs der Firma abzuwenden. "Bis gestern abend haben 590 Kunden auf 530 000 Mark verzichtet", ließ Markus Petersen in einem Rundschreiben vom 3. November mitteilen. Am gestrigen Sonntagabend lud der Stattauto-Vorstand seine Mitglieder in das Seniorenheim Stallschreiberstraße zur Krisensitzung ein.

Wie berichtet, traf die Meldung von der drohenden Insolvenz die rund 9000 Kunden in Berlin und Hamburg Ende Oktober völlig unvorbereitet. In einem ersten Rundschreiben wurden sie aufgerufen, auf ihre Einlagen zu verzichten, die sie bei Vertragsabschluss hinterlegt hatten, zwischen 800 und 3000 Mark pro Person. Mindestens eine Million Mark will Petersen so verbuchen - bis 8. November. Sonst, kündigte er an, geht die Firma in Insolvenz. Das geschehe auch, wenn jetzt Kunden in größerer Zahl kündigten.

In seinem jüngsten Schreiben versucht Petersen erneut, seinen Kunden den Verzicht schmackhaft zu machen. "Aus meinem Aktienbesitz schenke ich jedem Kunden, der auf seine Einlage verzichtet, eine Aktie der Stattauto", schreibt der Firmen-Mitbegründer. Dies sei zunächst allerdings nur eine "symbolische Aktion". Denn die nächste Hauptversammlung solle im Dezember eine Kapitalerhöhung für Aktien zum Stückpreis von einem Euro beschließen. Sollte die Firma gerettet werden, sei man als Aktionär berechtigt, an der nächsten Kapitalerhöhung teilzunehmen. "Über einen steigenden Aktienkurs im Falle der Sanierung könnten Sie mittelfristig Ihre Einlagen zurück gewinnen."

Der Umwelt zuliebe gemeinsam ein Auto nutzen - unter diesem Motto wurde vor 12 Jahren Stattauto gegründet. In Hamburg sind es rund 4000, in Berlin rund 5000 Autofahrer, die das Angebot nutzen. Beide Unternehmen haben sich vor einem Jahr zu einer Aktiengesellschaft zusammengeschlossen. Doch es ging weiter bergab mit dem Unternehmen: Das Eigenkapital in Höhe von 2,37 Millionen Mark wurde durch Verluste 1998 und 1999 aufgebraucht. Vor allem im Personalbereich "explodierten die Kosten", heißt es bei der Firma. Zudem wurde der Fuhrpark vergrößert.

Von drei Mitgliedern der Führungsriege hat man sich bereits getrennt. Jetzt verspricht Petersen einen "harten Sanierungskurs". Durch die Zusammenarbeit mit dem europäischen Marktführer "Mobility" soll ein "radikales Sparprogramm" entwickelt werden - jedenfalls wenn sich in den nächsten zwei Tagen noch ausreichend Kunden zum Verzicht bereit erklären.

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